Wildcampen in Griechenland

Tja. Wer sich das Titelbild richtig angeschaut hat, der hat vielleicht auch das „No Camping“ Schild in der Ecke entdeckt. Warum wir da trotzdem stehen und auch geschlafen haben? Gute Frage!

Zu aller erst mal so viel: Auf unserer fünfwöchigen Tour durch Griechenland waren wir genau zwei Nächte auf einem Campingplatz, nämlich die Nacht nach Ankunft der Fähre und die Nacht vor Abfahrt der Fähre. Den Rest der Zeit sind wir wild gestanden. Aber ist das überhaupt erlaubt? Die Antwort ist ein ganz klares: Nein. Wildes Campen ist generell verboten. Zumindest Theoretisch. In der Praxis sieht es da ganz anders aus:

Natürlich muss unterschieden werden, ob man mit dem Zelt oder dem Camper unterwegs ist. Wer ein Zelt aufbaut der Campt. Wer mit seinem Camper auf dem Parkplatz einer BeachBar steht, der Parkt ja eigentlich nur … zumindest solange er keine Wäsche draußen aufhängt, die Stühle und Tische nicht aufbaut und nachts die Schlappen nicht auf dem Teppich vor der Tür stehen lässt.

Auch die Platzwahl sollte beachtet werden. In der Hochsaison ist es nicht wirklich angebracht, sich auf den Parkplatz einer gut besuchten Sehenswürdigkeit zu stellen oder in unmittelbarer Nähe eines Campingplatzes seine Zelte aufzuschlagen. In der Nebensaison, wenn die meisten Campingplätze geschlossen haben und die Sehenswürdigkeiten nicht mehr so viel besucht sind, dann sieht das ganze schon wieder anders aus. (Zumal einem, mangels geöffneter Campingplätze auch oft nichts anderes übrigbleibt.) Man sieht schon: Es dreht sich alles darum, Situationen richtig einzuschätzen.

Allgemein lässt sich sagen: Ob Wildcampen toleriert wird oder nicht, hängt maßgeblich vom eigenen Verhalten ab. Solange man niemanden stört oder auf die Zehen steigt, hat auch niemand ein Problem damit. Und wenn niemand ein Problem damit hat, dann muss auch niemand etwas dagegen unternehmen. Deswegen ist es umso wichtiger sich an ein par grundlegende Regeln zu halten:

  • Keinen Müll hinterlassen! (Dazu zählt auch das Toilettenpapier!! Es gibt nichts Schlimmeres, als wenn man seine Zelte an einem Traumhaften Strand aufschlägt und kaum geht man zwei Schritte in den Wald hinein, hängen überall Papierfetzen. Das findet niemand schön.)
    Ach ja, und wenn man selber schon dabei ist seinen Müll einzusammeln, dann schadet es auch nicht, etwas von dem Müll, der (leider) überall herum liegt, auch gleich mitzunehmen.
  • Ausbreiten ist nicht. Man muss nicht sein ganzes Inventar draußen aufbauen. Gegen ein Sonnensegel und Stühle hat niemand etwas, auch nicht gegen etwas Wäsche die getrocknet werden muss. Das alles sollte aber nur aufgebaut werden, wenn es gebraucht wird und dementsprechend auch wieder abgebaut werden, wenn nicht.
  • Das Gleiche, was für die Campingstühle gilt, das gilt auch für (Dach)Zelte. Es ist generell gut sein Zelt erst vor dem Schlafengehen aufzubauen und direkt nach dem Aufstehen abzubauen.
  • Generell gilt: Im Zweifelsfall immer einfach nachfragen. Die Griechen sind, zumindest nach unserer Erfahrung, sehr freundliche und offenherzige Menschen. Meist stört es niemanden wenn man für ein oder zwei Nächte bleibt. Stattdessen kommt man ins Gespräch. Vor allem unser Dachzelt hat viele neugierige Blicke und Fragen auf sich gezogen. So bekamen wir viele gute Tipps für kleine Abstecher oder konnten selbst welche geben. (Die Sprachbarriere muss hier niemandem wirklich Sorgen bereiten. Mit Englisch konnten wir uns immer irgendwie verständigen und notfalls gibt es ja auch noch Hände und Füße ;-))

So, Wildcampen ist in Griechenland also allgemein akzeptiert. Jetzt gibt es nur noch ein Problem: Wie finde ich die richtigen Stellplätze?

Dafür gibt es mehrere Möglichkeiten. Wobei die Spanne der Möglickeiten hauptsächlich davon abhängt, mit was für einem Auto man unterwegs ist. Konkret: Hat man Allrad oder nicht? Wenn nicht, dann sollte man nicht einfach so von der Straße auf einen Feldweg, der Richtung Meer führt, abbiegen. Zumindest nicht, wenn man sein Auto heil wieder nach oben auf die Straße bringen will.

Es dreht sich also alles darum die Karte richtig zu lesen. Möchte man, sagen wir mal, einen Schlafplatz am Meer, dann kann man auf der Karte schauen, welche Wege am vielversprechendsten aussehen und die kann man dann anfahren. Wer sein Auto lieber schonen möchte, der tut gut daran, die Wege erstmal zu Fuß zu erkunden. Dabei ist nicht jeder Weg den man sich aussucht ein Treffer. Es braucht ein bisschen Übung und Erfahrung bis man erkennt, was klappen könnte und was nicht. Man weiß natürlich nie was auf einen zukommt. Manchmal ist der erste Platz den man sich aussucht ein Treffer, manchmal sucht man aber auch stundenlang. Sich selbst schöne Stellplätze zu suchen ist also ein richtiges Abenteuer.

Wer noch nicht so viel Erfahrung hat, oder wem es an Zeit mangelt, für den gibt es einige Anlaufpunkte, die eigentlich immer gut sind. Wir haben auf unserer Tour festgestellt, dass Strandbars und kleine Kapellen oder Kirchen immer eine gute Möglichkeit sind. Die Straßen dorthin sind meist sehr gut befestigt (und das ist nicht selbstverständlich). Natürlich ist Strandbar nicht gleich Strandbar. Es gibt vor allem einen gravierenden Unterschied zwischen Ost- und Westküste. Die Strandbars der Westküste sind meist in kleinen Steinbuchten und eher etwas weniger besucht und einsamer (zumindest bei Nacht). An der Ostküste dagegen hat man kilometerlange Sandstände mit endlosen Liegewiesen. Egal wo, es schadet aber nie eine Kleinigkeit zu kaufen. So haben die Besitzer der Bar auch etwas davon und die par Euro für eine Fanta oder einen Kaffee tun nicht weh. Wer in der Hochsaison nachmittags am Strand ankommt, darf sich nicht durch die Menschenmassen erschrecken lassen. Spätestens um 19:00 Uhr sind fast alle wieder weg.
Wie die Barbesitzer freuen sich die Kapellen auch immer über eine kleine Spende. Diese sind eher im Inland zu finden und stehen meist etwas abseits, in Olivenbaumplantagen oder auf einem Hügel. Sowohl die Bars, als auch die Kirchen und Kapellen sind meistens gut ausgeschildert und, auch auf Karten, leicht zu finden.

Wer sich schwer tut, selbst Stellplätze zu finden, oder keine Zeit hat nach einem passenden zu suchen, für den gibt es diverse Apps, Seiten und Foren, die einem bei der Suche behilflich sein können. Wir haben hierfür iOverlander verwendet. iOverlander ist eine Website bzw. ein App, die Reisenden hilf alles Mögliche zu finden, einschließlich Stellplätze, Werkstätten oder Häfen für die Verschiffung von Reisemobilen. Lädt man sich die App herunter, sind alle Einträge auch offline verfügbar (nur manchmal lädt die Karte nicht). Die Stellplätze werden mithilfe von Kategorien, Texten und Fotos beschrieben, wobei aufgrund der Internationalität alles auf Englisch gehandhabt wird. Das alles läuft über GPS und die Koordinaten sind immer mit angegeben, so dass man alles mithilfe eines Navigationssystems leicht finden kann. Jeder kann neue Plätze eintragen, existierende bewerten und kommentieren. Uns hat iOverlander am Anfang sehr geholfen, bis wir die ersten Erfahrungen gemacht hatten und wussten wie wir selbst Stellplätze finden.

Man sieht: Wildcampen ist kein Hexenwerk, wenn man sich vorher gut informiert und ein bisschen Mut zum Abenteuer hat.

4 Kommentare zu „Wildcampen in Griechenland

  1. Danke für diesen tollen Beitrag, am liebsten würde ich jetzt gleich losziehen. Es gibt ja Orte, an denen auch viele griechische Studies wild campen, und alle über Jahrzehnte davon wissen… lieben Gruß aus Athen

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