Reisen mit dem Dachzelt

Im Sommer 2019 fuhren Tom und ich mit dem Dachzelt durch Griechenland.

Ursprünglich war geplant, mit einem normalen Zelt zu Reisen. Doch in einer genialen Eingebung kamen meine Eltern auf die Idee, mir ein Dachzelt zum Abitur zu schenken. Und so fuhr mein Papa in einer Nacht- und Nebelaktion bis zum Bodensee um das, gebraucht gekaufte Zelt abzuholen, so dass es am nächsten Tag, zu meiner großen Überraschung, vor der Haustür stand. Ich kannte das Reisen mit dem Dachzelt schon aus unserem Namibiaurlaub vor ein paar Jahren und war dementsprechend total aus dem Häuschen. Tom betrachtete das Ganze mit etwas mehr Skepsis, freute sich aber darauf etwas Unbekanntes auszuprobieren.

Tja und eines lässt sich sagen: mit dem Dachzelt reist man definitiv NICHT unauffällig…

Aufgeklappt sieht das Ganze dann doch recht abenteuerlich aus, zumindest für diejenigen die so etwas nicht kennen. Mal schnell unauffällig irgendwo übernachten geht nicht. Wer inkognito bleiben will muss in dem Fall eher im Auto schlafen. Stattdessen sorgt es für jede Menge interessante Gespräche. Was mit neugierigen Fragen über das Zelt und die Reise beginnt, kann schnell in tollen Bekanntschaften, netten Gesprächen und zum Austausch von Geheimtipps führen. Auffälligkeit ist also nicht immer ein Nachteil.

Aber das Dachzelt ist nicht nur ein guter Aufhänger für Gespräche. Es ist sehr gut groß genug für zwei oder zweieinhalb Menschen, es ist leicht aufzubauen und absolut Regendicht. Leider gilt das nicht auch für die Mücken. Aber nicht mal die Wohnmobile scheinen absolut Mückendicht zu sein, also ist das wohl keine große Überraschung. Aber das, womit sich am besten angeben lässt ist die ECHTE Matratze (auch wenn sie evtl. sogar noch härter ist als eine Isomatte, aber das muss man ja nicht gleich jedem auf die Nase binden ;-)).

Eines darf aber auf keinen Fall vergessen werden: man steht ja nicht nur. Das Dachzelt beeinträchtigt auch das Fahrverhalten und das muss dementsprechend angepasst werden. Für unser Dachzelt ist die angegebene Höchstgeschwindigkeit 100km/h. Wir sind aber auch bis 120km/h gefahren und zum Überholen kurzzeitig mal noch schneller. Das geht schon. Wie viel man aber riskieren will, muss jeder für sich entschieden. Allgemein regelt es die Reisegeschwindigkeit schon ein wenig nach unten. Vor allem auf deutschen Autobahnen kann eine Begrenzung auf 100 km/h schon nervtötend und anstrengend werden. Vor allem, wenn man es gewöhnt ist schneller zu fahren. Die Geschwindigkeit ist nicht das einzige, das sich mit dem Dachzelt verändert. Auch das Kurvenverhalten wird drastisch schlechter. Klar, viel Gewicht, sehr weit oben auf dem Auto. Wie schlimm es ist, das hängt wieder von Auto und Dachzelt ab. Aber schwungvolle Fahrer, wie ich, sollten sich auf jeden Fall zusammenreißen. Lieber öfter mal etwas langsamer als das eine Mal zu schnell. Nicht ganz so drastisch, aber auch bemerkbar ist das Pfeifen. Ja, das Pfeifen. Ab ca. 60 km/h fängt bei uns der Wind an zu pfeifen. Das ist aber nicht laut oder schlimm, man gewöhnt sich einfach dran. Es ist manchmal sogar ein wenig beruhigend, weil man weiß, dass das Dachzelt nicht irgendwann während der Fahrt einfach runtergerutscht ist (auch wenn man das rational betrachtet sofort gemerkt hätte).

Beeinträchtigungen gibt es aber nicht nur bei der Reisegeschwindigkeit. Wer beispielsweise mit der Fähre verreisen möchte, muss auf die Fahrzeughöhe achten. Wir hatten das Glück, dass wir mit Dachzelt auf 1,99m kamen. Das liegt noch unter der 2m Maximalhöhe für PKWs. Wer über diese 2m kommt, muss meist einen Aufpreis zahlen.

Unabhängig von all diesen Eigenschaften, die natürlich alle, je nach Modell, Alter und Zustand variieren, gibt es noch einen entscheidenden Punkt: man schläft erhöht. So banal es auch klingen mag, es macht einen gewaltigen Unterschied. Die Leiter vor dem Eingang und die Erhöhte Position geben ein gutes Gefühl von Sicherheit. Man kann all das Geschehen um einen herum in Ruhe beobachten und die knurrenden und wetteiferden Straßenhunde sind so nachts kein Grund zur Sorge. (Sind sie eigentlich eh nicht, aber dazu wann anders mehr.)

Der, für uns entscheidende Punkt ist die Flexibilität. Mit dem Dachzelt kann man überall schlafen, wo man mit dem Auto hinkommt. Natürlich hängt das einzig und allein von der Geländegängigkeit des Fahrzeugs ab aber pauschal lässt sich sagen: Fast überall wo man auf einem Roadtrip mit dem Zelt schlafen kann, kann man auch mit dem Auto hinfahren und dementsprechend das Dachzelt aufklappen. Denn man schläft ja eh in der Nähe des Autos, in dem ja alles Equipment ist. Aber man kann auch mit dem Dachzelt überall da stehen, wo man sein Zelt nicht aufbauen kann. Banal gesagt: man braucht halt keine Karabiner und ein Raststätten-Parkplatz tut es im Notfall auch.

Auf Griechenland bezogen sieht das Ganze dann so aus: Jeder will auf idyllischen Stränden schlafen. Dazu braucht man aber nicht unbedingt ein Zelt. Auf die meisten Strände kann man mit einem normalen Auto auch auffahren. Außerdem ist, aus einem ganz praktischen Grund, der Parkplatz meist eh besser: der Schatten. Zelten in Griechenland ist nichts für Langschläfer. Sobald die Sonne auf das Zelt knallt herrschen da drinnen Saunatemperaturen. Dem kann man ein bissen vorbeugen indem man sich einen schattigen Platz unter den Olivenbäumen auf den Parkplätzen sucht. Nebenbei hat man dann auch nicht den ganzen Sand im Zelt, man steht eben und die Aussicht ist dieselbe. Gleichzeitig steht einem die Möglichkeit offen, beispielsweise sich auch auf dem Parkplatz einer Kirche niederzulassen. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass wir mit dem Dachzelt an viel mehr Plätzen stehen konnten, als wir mit dem normalen Zelt gekonnt hätten.

Die Akzeptanz darf auch nicht unterschätzt werden. Auch wenn es, nüchtern betrachtet, keinen Unterschied macht, ob man jetzt im Zelt auf dem Boden oder auf dem Autodach schläft, es wird trotzdem eher geduldet. Das Dachzelt wird als Abstufung des Wohnmobils betrachtet, so als würde man „im“ Auto schlafen. Uns ist es öfter mal passiert, als wir um Erlaubnis gebeten haben, dass, sobald das Wort „tent“ fiel, erstmal heftig die Köpfe geschüttelt wurden. Wenn wir dann aber erklären und/oder zeigen konnten worum es sich bei dem „tent“ denn handelt, wurde abgewinkt oder mit den Schultern gezuckt und es als „ist schon in Ordnung“ abgetan. Meistens kamen dann noch Stück für Stück ein paar neugierige Fragen hinterher.

Ein Dachzelt ist vom Komfort also doch nur ein Zelt und es kann auch nur genauso viel wie ein Zelt. Trotzdem fühlt es sich nicht nur anders an, die Wirkung nach außen ist auch eine ganz andere. Die hängt natürlich auch davon ab, was für ein Dachzelt man mit sich herumfährt. Der Tom ist zwar nicht so der Typ der gerne mit Fremden redet, vor allem nicht, wenn es auf Englisch sein muss, aber ich habe die Gespräche die sich so ergeben haben sehr genossen und auch er hat immer neugierig zugehört. Aber wir schätzen auch die hohe Flexibilität. Wir konnten eigentlich fast überall stehen, wo wir wollten und das mit einem Ford Focus als Basisfahrzeug dessen Geländegängikeit gegen Null geht. Nur einige Male mussten wir uns nochmal umorientieren. Ich liebe das luftige Gefühl, dass durch die 4 großen „Fenster“ entsteht und ich habe es sehr genossen auf den Strand und das Meer schauen zu können vor dem Einschlafen. Auch wenn in naher Zukunft keine Reisen mit dem Dachzelt geplant sind, das geben wir auf jeden Fall nicht wieder her. Da sind wir uns voll und ganz einig.

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