Trekking im Kathmandu-Tal: In 28.189 Schritten auf den Shivapuri

Im Kathmandu-Tal gibt es so einige Möglichkeiten kleinere oder Größere Trekking-Touren zu unternehmen.

Eigentlich war eine viertägige Trekkingtour geplant, um uns für die Annapurna-Region vorzubereiten und zu trainieren. Leider wurde daraus nicht so viel. Nachdem wir alle der Reihe nach entweder Montezumas Rache auf uns zogen oder Fieber bekamen, musste der Plan geändert werden. Mit zwei Tagen Verspätung kamen wir endlich aus Kathmandu los.

Am Nationalparkeingang gab es dann die erste Ernüchterung. Unser Reiseführer hatte irgendwie vergessen zu erwähnen, dass jeder, der den Nationalpark betreten will einen Guide braucht. Also haben wir uns unserem Guide gemietet: Kedar Buandari, 25 Jahre alt, Vater eines zweijährigen Sohnes und in den nächsten zwei Tagen ein riesiger Segen für uns.

At this point one more time tank you to you, Kedar! Danayabad!

Wir bezahlten den Nationalparkeintritt (1000NPR pro Kopf) und Kedar (die Preise für die Guides varriieren, je nach Tour zwischen 1000 und 3000 NPR pro Kopf, wobei der Eintrittspreis inbegriffen ist) und besprachen unsere Wunschroute. Augenzwinkernd machte er uns klar dass wir im Nationalpark Zelten dürften, solange die Leute von der Regierung keinen Wind davon bekämen. Das Zelten im Nationalpark nämlich nicht mehr erlaubt ist, hatte der Reiseführer irgendwie auch vergessen zu Erwähnen.

Also marschierten wir los. Tom und der Guide strammen Schrittes voran, Nils hinterher und ich versuchte gar nicht erst mitzuhalten, denn ich hatte die Krankheit noch deutlich spürbar in den Beinen. Wie sich aber schon nach 45 min rausstellte, waren nicht meine Beine das Problem, sondern Nils Verdauung. Er hatte am Vortag irgendetwas schlechtes gegessen, dementsprechend nicht gefrühstückt und bei der Anstrengung erwischte ihn die Schwäche mit voller Wucht. Gar nix ging mehr.

Aber das alles war kein Problem für Kedar. Er holte seinen Roller, manövrierte damit Nils den Berg wieder runter, besorgte uns ein Hotelzimmer und wir verabredeten uns für den Morgen des nächsten Tages. Sollen doch die Jungs schwächeln, notfalls steige ich alleine auf den Shivapuri-Gipfel.

Zum Glück war das dann doch nicht nötig. Nils blieb im Hotel, aber Tom kam mit, auch wenn ich vorsichtshalber den Rucksack mit Wasser und Verpflegung trug (und um ehrlich zu sein auch zu Trainingszwecken).

Die Wanderung auf den Shivapuri-Peak ist nicht zu unterschätzen. Mit knapp 1250 Höhenmetern und den, im Reiseführer angegeben 7 Stunden (diese Angabe ist durchaus realistisch). Es gibt drei Wege nach oben:

  • Den Direkten (links auf der Karte): Das ist wohl der Schwerste. Ohne Unterbrechung führt eine Treppe, mit Recht hohen Stufen bis ganz nach oben.
  • Der Mittelweg (mittig auf der Karte): Dieser ist etwas länger als der direkte Weg, besteht aber auch zu 2/3 aus einer Treppe.
  • Der einfache Weg (rechts auf der Karte): Auch der einfache Weg ist nicht zu unterschätzen. Man muss immer noch die selben Höhenmeter nach oben. Hier gibt es nur fast keine Treppen, das machte es nicht so anstrengend. Dafür ist dieser Weg, mit ca. 18 km der längste.

Kedar wollte mit uns das bestmögliche Training für die Annapurna-Region machen und uns trotzdem alles zeigen. Also führte uns unser Weg die mittlere Route nach oben und den direkten Weg wieder nach unten. Und ich muss sagen, die Route hat es echt in sich!

Los ging es auf der großen Straße, die in den Nationalpark hineinführt, auf dem einfachen Weg. Nach ca. 2 km verließen wir die Straße und Bogen auf den Weg mit den Treppen ein. Ach, wie ich Treppen liebe… (Nämlich gar nicht!) Etwa ab der Hälfte des Aufstiegs stößt der Mittelweg wieder auf den einfachen. Von dort geht es gemischt weiter, mal Pfad, mal Treppen durch den dichten Wald.

Etwa 45 min vor den Gipfel kamen wir an eine Tempelanlage. In den Höhlen beteten Sadhus und ein Stück weiter konnten wir am Haus des Babas einen Tee trinken (100 NPR). Wenn ich das richtig verstanden habe, dann hat dieser Baba über 5 Jahre meditierend in den Höhlen verbracht, bevor er sich hierhin zurückzog. Kedar erzählte uns, dass die Guides am Wochenende gerne hier hoch laufen um sich von ihm bekochen zu lassen.

Kurz vor dem Gipfel führte uns Kedar noch zu einem recht versteckten Aussichtspunkt (Tinchuli). Atemberaubend!

Tinchuli
Tinchuli

Der Gipfel selbst ist eigentlich unspektakulär. Dafür ist der Fels, der kurz nach dem Gipfel kommt umso schöner. Man kann hochklettern und die Aussicht genießen. Als Brotzeitpalatz ist der Fels unschlagbar.

Den direkten Weg nach unten zu gehen ist eine ganz schöne Tortur für die Knie. Stöcke sind auf jeden Fall zu empfehlen und man sollte sich Zeit lassen. Leider wurde das mit dem Zeitlassen bei uns nichts, da wir den gesamten Weg von einer einsamen Kuh verfolgt wurden. Wir hatten immer die Hoffnung sie noch abschütteln zu können, dementsprechend taten meine Knie am nächsten Tag ganz schön weh. Aber die Kuh ließ sich durch nichts und niemanden davon abbringen uns zu folgen, nichtmal mit Leckerlis. Also nahmen wir die Kuh mit ins Tal und Kedar sorgte dafür, dass sie ein neues zu Hause bekam.

Aber nicht nur das, er sorgte auch dafür, dass uns am nächsten Morgen ein Taxi vom Hotel abholte und zum Busbahnhof in Kathmandu brachte. Alles hat reibungslos funktioniert, wir mussten nichtmal lange auf das Taxi warten.

Zurück zur Wanderung auf den Shivapuri-Peak: Die war einfach traumhaft. Der Wald war schön, die Wege märchenhaft, das Anstrengungslevel hoch und die Aussicht ein reiner Genuss. Auf dem Weg nach oben gibt es mehrere Möglichkeiten die Wasserflaschen aufzufüllen, auf unserem Weg nach unten dagegen keine bzw. erst ganz unten wieder. Brotzeit sollte man für einen ganzen Tag einpacken, eventuell kann aber auch der Baba für einen kochen. Kleidungstechnisch muss man auf wirklich alles vorbereitet sein. Unten am Einstieg war es warm, zwischenzeitlich hat es geregnet und für eine Viertelstunde fiel sogar Schnee vom Himmel. Mütze, Schal und eine warme Jacke sollten auf jeden Fall dabei sein.

Shared from Locus Map http://www.locusmap.eu/

Zum Abschluss kann ich nur eines sagen: Nils, du hast echt was verpasst!

Gefällt Dir dieser Beitrag?

Für die Erstellung dieses Beitrags wurden Unmengen an Keksen konsumiert. Fülle meinen Keksvorrat wieder auf, damit ich noch ganz viel weiterschreiben kann!

€1,00

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: