Höllenritt von Kathmandu nach Dharapani

Unsere Anreise in die Annapurna-Region.

Für die Anreise in die Annapurna-Region hatten wir uns einen ganzen Tag Zeit genommen. Der Plan war vom Shivapuri Nationalpark ein Taxi zum Gongabu Busbahnhof in Kathmandu zu nehmen. Von dort sollten, laut Reiseführer die Busse nach Besi Sahar fahren. Von Besi Sahar wollten wir ein Allradfahrzeug bis nach Dharapani nehmen, da unser Lonely Planet Reiseführer empfahl die ersten paar Tage des Annapurna Circuit Trecks zu überspringen, da der Weg auf der Straße nicht schön ist.

An dieser Stelle möchte ich noch was einfügen: Dass die ersten Tage nicht schön sind ist totaler Schwachsinn. Alle die wir getroffen haben, haben uns vorgeschwärmt wie schön die ersten paar Tage nach Besi Sahar waren. Im Nachhinein haben wir uns sehr geärgert, nicht von Besi Sahar gestartet zu sein. Also macht nicht den gleichen Fehler!

Zurück zur Anreise: Das mit der Taxifahrt hat noch ganz gut geklappt. Für 1000 NPR brachte der Fahrer uns drei samt Gepäck zum Gongabu-Busbahnhof in Kathmandu (was ein kleines Kunststück für sich war, da wir zu dritt schon kaum in das winzige Auto gepasst haben und dann kamen noch unsere Rucksäcke).

Unter einem „Busbahnhof“ darf man aber nicht zu viel erwarten. Der sogenannten Busbahnhof war einfach eine riesige Schotterfläche rechts und links der Straße, auf der, Reihe an Reihe, Busse und kleine Vans standen.
Sobald das Taxi auf eine der Schotterflächen abbog, wurden wir von allen Seiten bestürmt. Leute kamen auf das Auto zu gerannt, riefen irgendwelche unverständlichen Städtenamen und klopften an die Scheiben. Ich war mit der Situation total überfordert aber zum Glück hatten wir noch unseren Taxifahrer. Er fand sich in dem Durcheinander problemlos zurecht. Nach einigem rumgekurve und waghalsigen Wendemanövern auf der viel befahrenen Straße hatten wir endlich den richtigen Bus gefunden. Leider gab es keinen Touristenbus mehr, die fahren anscheinend alle um 7:30 Uhr ab und nicht, wie im Lonely Planet Reiseführer erwähnt um 7:00, 8:00 und um 10:00 Uhr. Zumindest wurde uns das so gesagt…

Also stiegen wir in den Mikrobus. Das Gepäck wurde auf dem Dach festgeschnallt. Ich kann nur empfehlen die Rucksäcke und Taschen in eine extra Reisehülle zu tun, denn am Ende des Tages war mein nagelneuer Rucksack schon an zwei Stellen durchgescheuert.

Die Fahrt war ein Abenteuer für sich. Bis wir endlich aus Kathmandu raus kamen, brauchten wir noch mehr als eine Stunde, weil immer wieder, bei langsamer Fahrt, die Tür aufgerissen wurde und versucht wurde, Leute davon zu überzeugen noch einzusteigen. Manchmal klappte das auch.

Als wir endlich aus Kathmandu raus kamen wurde es richtig unheimlich. Die Sitze waren hart, die Straße schlecht. Bei jedem Schlagloch flogen wir fast bis an die Decke. Ach ja, Gurte gibt es natürlich nicht. Nach Kathmandu kommt eine lange Passstraße. Hier sind nur LKWs und Busse unterwegs und das in einem Affenzahn, ohne Rücksicht auf Verluste. Und natürlich die Motorradfahrer, die sich gekonnt durch jede noch so kleine Lücke zwängen.

Wäre ich ein religiöser Mensch, hätte ich wahrscheinlich angefangen zu beten, so hatte ich einfach nur Angst um mein Leben. Meine Oma würde sagen alle fahren wie „gsengte Säue“ und da könnte sie Recht haben. Es wird überholt wo geht, manchmal fährt man sogar mehrere Minuten auf der falschen Straßenseite und wenn eine Kurve mal nicht so gut einzusehen ist, dann wird einfach Gehupt und weiter gefahren. Eingeschert wird natürlich erst im letzten Moment und das heißt wirklich nur Meter bevor man den entgegenkommenden LKW rammt.

Aber irgendwie, ich weiß nicht wie, gewöhnt man sich in der sechstündigen Fahrt dran. Tom ist sogar einmal eingeschlafen, bis er sich bei einem Schlagloch beinahe selber die Zunge abgebissen hätte. Ab dann hat er versucht wach zu bleiben.

Abgesehen von den tödlichen Straßenverhältnissen war die Fahrt gar nicht so schlimm. Relativ oft wurde angehalten, entweder an einer der „Raststätten“, am Gemüsehändler, um Leute aufzunehmen oder raus zulassen oder einfach nur damit der Fahrer rauchen konnte.

Irgendwann gegen Ende der Fahrt sammelte einer der Fahrer das Geld ein. Wir zahlten 600 NPR pro Kopf. Am Rande bekam ich mit, dass wir damit 100 NPR mehr zahlten als der Rest, aber der Preis wird zu Beginn der Fahrt ausgehandelt und 100 Rupien Touri-Aufschlag sind, finde ich, akzeptabel.

In Besi Sahar kann man einfach aussteigen und wenn man sich hilfesuchend umschaut kommt sofort jemand auf einen zu, um zu fragen wohin man will. Wieder wird das Gepäck auf das Dach geschnallt, nur dass es dieses Mal kein Minibus sondern ein Allradauto ist. Und dann wird gewartet, so lange bis das Auto voll ist. Manchmal auch übervoll. Wir saßen die ersten zwei Stunden kuschelig zu viert auf einer Rückbank die für drei schon eng ist. Ein akzeptabler Preis für die Fahrt nach Dharapani sind 1500 NPR pro Person.

Während man auf die Abfahrt wartet, kann man noch in einem der vielen Restaurants und Cafés was trinken oder essen. Auch würde ich dazu raten nochmal eine Toilette aufzusuchen, da auf der ca. vierstündigen Fahrt nur angehalten wird um Benzin nachzufüllen oder wenn vor einem ein Fahrzeug stecken geblieben ist.

Die Piste ist ein schaukelndes Abenteuer für sich. Man wird im Auto hin und her geworfen, in dem Fall war es gut, dass wir zu viert auf die Rückbank gequetscht waren, zumindest für mich. Ich saß nämlich gut gepolstert in der Mitte. Die Piste führt durch kleine Dörfer, vorbei an Brücken, heißen Quellen und Steilhängen. Vor allem als die Dämmerung kam und es gleichzeitig anfing zu Gewittern war das Abenteuer wirklich perfekt.

Wenn man nicht eh schon in Kathmandu Geld abgehoben hat, dann sollte man sich in Besi Sahar auch unbedingt einen ATM suchen und wirklich viel abheben. Denn auf dem ganzen Weg bis Jomsom gibt es sonst keine sichere Möglichkeit mehr Bargeld abzuheben. Einzig in Chame gibt es noch einen ATM. Hier kann man aber immer nur 10 000 NPR auf einmal abheben und wenn man Pech hat, dann ist der Automat leer. Alternativ kann man in Chame auch an einigen Geschäften Geld „abheben“. Man zahlt jedoch eine 10% Charge an das Geschäft und es wir nur Visa akzeptiert, sowohl am ATM, als auch in den Geschäften.

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