Annapurna-Circuit-Treck: Tag 1

In 30 335 Schritten von Dharapani nach Chame.

Vorne weg will ich nochmal sagen, dass ich (bzw. alle die wir getroffen haben) nur empfehlen kann/können von Besi Sahar zu starten. Das Wetter ist auf diesem Wegabschnitt noch richtig warm, die Dörfer schön, das Essen und Schlafen billig und die „Straße“ nicht viel befahren. Außerdem gibt es diverse Möglichkeiten der Straße auszuweichen und stattdessen auf einem Wanderpfad zu laufen (mehr als nach Dharapani). Zudem trifft man kaum auf andere Trekker. Ob das jetzt positiv oder negativ ist, das ist jedem selbst überlassen.

Dharapani

Leider mussten wir schmerzlich erfahren, dass die Tagesetappen im Lonely Planet Reiseführer ziemlich heftig sind. Ohne Rucksack sind das vielleicht angenehm anspruchsvolle Tagesetappen, mit schwerem Rucksack aber ganz schöne Hämmer. Außerdem entsprechen die Zeitangaben der reinen Laufzeit, diverse Essens- und Trinkpausen nicht eingerechnet.

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Man sollte also zeitig aufstehen und sich, mit dem Loslaufen, nicht Zeit lassen bis 10:00 Uhr (wie wir). Das war unser erster schwerwiegender Fehler an diesem Tag.

Diese (ungleublich hilfreichen un detailgetreuen) Schilder sind entlag des ganzen Annapurna Circuit zu finden.

Am Ende von Dharapani gibt es einen ACAP-Checkpoint. Hier muss man sein Permit vorzeigen (nicht die TIMS-Karte, sondern den Beleg für den Eintritt), eintragen bis wohin man am heutigen Tag laufen will und sich einem Gesundheitscheck unterziehen (zumindest zu Corona-Zeiten). Konkret heißt das, sich für eine Minute ein Fiberthermometer unter die Achsel zu stecken. Die Temperatur wird in eine Liste eingetragen und damit hat sich die ganze Sache erledigt.

Wanderpfad nach Odar

Die meiste Zeit führt der Wanderweg zwischen Dharapani und Chame auf der Straße entlang. Kurz nach Dharapani kann man auf einen Wanderpfad links der Straße Richtung Odar abbiegen. Der Weg ist zwar traumhaft, genau wie der Ort, will man aber noch bis Chame laufen, dann bereut man die, nicht gerade wenigen Extrahöhenmeter später schmerzlich. Ich spreche aus Erfahrung… Odar kann ich also nur den ganz harten empfehlen, oder denjenigen, die nicht mehr so weit zu ihrem Zielort haben.

Odar

Der Weg über Odar trifft bei Bagarchhap wieder auf die Straße, auf der er eigentlich die ganze restlichen Strecke nach Chame bleibt. Das tut aber der Aussicht keinen Abbruch.

Folgt man der Straße, so braucht man zwischen Dharapani und Bagarchhap ca. 45 min. Über Odar sind es jedoch knapp zwei Stunden, bedingt durch die Extrahöhenmeter.

Wasserfälle zwischen Danakyu und Timang

Nach Bagarchhap läuft der Weg einigermaßen angenehm so weiter bis nach Danakyu. Geht man zügig, dann ist dieser Abschnitt in etwa 30 min gut geschafft. In Danakyu würde ich dann nochmal Brotzeit machen, bzw. irgendwo einkehren, denn das nächste Stück bis Timang wird heftig. Man muss mit ca. zwei Stunden und 500 Höhenmetern rechnen. Dafür hat man atemberaubende Wasserfälle (sofern man auf der Straße bleibt), mit gefährlich aussehenden Autobrücken. Wahrscheinlich sehen sie nicht nur gefährlich aus. Erreicht man Timang dann hat man fast alle Höhenmeter des Tages geschafft.

Generell gilt: einfach essen, wenn man hungrig wird. Hätten wir in Danakyu noch gegessen, dann wäre der Weg bis nach Timang nur halb so hart gewesen. Gleichzeitig fiel der erste Schnee und es wurde ziemlich kalt, so dass die Stimmung endgültig im Keller war. Wir hatte bis zu diesem Zeitpunkt noch gehofft, im Zelt schlafen zu können und die Kälte evtl. ein bisschen unterschätzt. Man könnte uns jetzt vorwerfen, dass wir ein bisschen blauäugig an die klimatischen Bedingungen heran gegangen sind, aber die Hoffnung war einfach da … zumindest bis zu dem Zeitpunkt, als es anfing zu schneien und der Schnee, zu allem Überlfuss, auch noch liegen blieb.

So kamen wir total erschöpft, fraßgrantig, ein bisschen verfroren und frustriert in Timang an. Keine guten Voraussetzungen um noch die Hälfte der Strecke vor sich zu haben. Das Mittagessen (eigentlich Nachmittagsessen, es war nämlich schon 15:00 Uhr) vor einem warmen Feuer trug dann definitiv zur allgemeinen Stimmungsverbesserung bei. Satt und wieder aufgewärmt beschlossen wir, obwohl schon total am Ende, einfach weiter zu gehen um zu schauen wie weit wir kommen, es gab ja noch zwei große Orte vor Chame in denen man auch einkehren kann. Und vielleicht schaffen wir ja auch die drei Stunden bis Chame noch.

Überraschenderweise kamen wir recht schnell voran. Obwohl wir bis Timang gerade die Hälfte der Strecke hinter uns gebracht hatten, hatten wir ja so gut wie alle Höhenmeter geschafft und der Weg zog sich nahezu eben dahin. Im letzten Ort vor Chame (Koto) gibt es noch einen ACAP-Checkpoint. Man riet uns einfach in Koto zu bleiben, aber wir konnten Chame schon sehen und waren damit nicht mehr aufzuhalten. Mein Gedanke war, wenn wir es heute bis Chame schaffen, dann schaffen wir alles! Von Koto aus brauchten wir noch ca. eine halbe Stunde bis nach Chame und schafften es sogar noch vor Einbruch der Dunkelheit.

Trotzdem war es inzwischen bitterkalt und der Ofen im Teehouse war unsere einzige Rettung. Fast überall gibt es warmes Wasser zum Duschen, man darf sich nur nicht zu schade sein zu Fragen. Wir blieben in einem Teehouse ganz am Anfang des Ortes auf der linken Seite. Leider habe ich den Namen vergessen. Es war mehrstöckig, blau und weiß gestrichen und hatte im Erdgeschoß eine gemütliche Sitzecke rund um den Ofen. Das Essen war einfach köstlich und heißer Tee genau das Richtige. Wir saßen den ganzen Abend um den warmen Ofen, trockneten unsere Kleidung und redeten mit den wenigen anderen Gästen. Darunter war ein Mann, der den ganzen Weg, den wir mit Mühe wandern, Joggt (!!!) und die zwei Kanadier Chris und Amélie, die wir von da an, an wirklich jedem Abend wiedertrafen.

Zwei schlechte Nachricht hatte der Tag aber noch:

Ich hatte mir am Morgen vorsichtshalber ein Blasenpflaster auf die Ferse geklebt, weil ich gemerkt hatte, dass es ein bisschen reibt. Das Blasenpflaster hatte es im Laufe des Tages komplett verschoben und durch den Kleber war meine ganze Ferse aufgerieben. Es war ein kleines Drama für sich, das Pflaster von den offenen Wunden zu reißen und ein zweites der Gedanke daran, wie ich morgen weiterlaufen soll und warum so etwas ausgerechnet am ersten Tag passiert.

Auch nicht gerade zu meiner Stimmung beitragend war die Kälte. Jetzt war klar warum der Reiseführer einen Schlafsack mit einer Komforttemperatur von -10°C empfiehlt. Es ist wirklich so kalt in der Nacht! Egal ob drinnen oder draußen… Die Räume schützen allerhöchstens vor dem Wind. Aber immerhin weiß ich jetzt was ich an meinem sündhaft teuren Schlafsack habe und für den Fall der Fälle liegen überall warme Decken. Nur nachts auf die Toilette gehen ist grausam. Leider hatte ich am Abend jede Menge Tee getrunken…

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