Annapurna-Circuit-Treck Tag 3

In 37 717 Schritten von Upper Pisang nach Manang.

Heute wussten wir schon, dass es heftig wird. Unsere größte Tagesetappe bis jetzt. Deshalb sind wir nochmal früher aufgestanden, weil (aus einem mir unerfindlichen Grund) ich ewig brauche, bis ich abmarschbereit bin.

Nach Manang gibt es zwei verschiedene Wege. Will man die etwas entschärfte Version, kann man nach Lower Pisang absteigen und über Humde die Straße nehmen. Dieser Weg ist einige Kilometer kürzer und verläuft größtenteils im Flusstal, beinhaltet also keine so gravierenden Steigungen wie der Wanderweg. In Mungii treffen beide Wege wieder aufeinander und führen gemeinsam nach Manang.

Für uns kam natürlich nuuuur der Wanderweg in Frage…

Die ersten paar Kilometer nach Upper Pisang (3300m) ziehen sich auf einem schönen Weg ziemlich eben dahin. „Kurz“ vor Ghyaru (3700m) wird es dann ganz plötzlich richtig steil. Und ich setzte „kurz“ bewusst in Anführungszeichen, denn was auf der Karte als ein kurzer Wegabschnitt zu sehen ist, nimmt durchaus seine Zeit in Anspruch. In kurzen Serpentinen geht es steil nach oben und man gelangt auf kürzestem Weg von 3300m bis auf ganze 3700m.

Kurz bevor man Ghyaru (3700m) erreicht, gibt es ein kleines Teehouse, nicht mehr als eine Hütte, aber die Aussicht von der kleinen Terrasse ist atemberaubend und eine Tasse Schwarztee und eine Apfeltasche gibt neue Kraft für das letzte kleine Stückchen nach Ghyaru.

In Ghyaru angekommen ist die Aussicht einfach traumhaft (wie eigentlich fast überall hier). Aber auch der Ort hat seinen ganz eigenen Charme. Trotzdem bietet sich zum Mittagessen eher Ngawal (3660m) an, denn erst hier ist die Hälfte der Laufstrecke geschafft. Trotzdem darf man den Weg zwischen Ghyaru und Ngawal nicht unterschätzen: Der Pfad schlängelt sich an den Bergkämmen entlang, geht dabei aber immer wieder bergauf und bergab, so dass man für diesen Streckenabschnitt durchaus zwei Stunden einplanen kann.

Uns hat vor allem der Schneematsch das Leben schwer gemacht und den Jungs nasse Füße beschert. Die Aussicht und das traumhafte Wetter (wenn auch Schuld an dem Matsch) machen die Anstrengung aber eindeutig wieder wett. Zumindest ist das meine Meinung, aber ich hatte ja auch keine nassen Füße ^^.

Nach Ngawal (3660m) führte der Wanderpfad wieder auf die Straße und steil bergab bis Mungii (3460m). Einerseits eine Erleichterung, da sich damit das Schneematschproblem erledigt hatte, dafür aber ein ganz schöner Hatsch. (Übrigens ein neues Wort das ich in dem Zusammenhang gelernt hab. Hatsch bedeutet, dass sich der Weg lange hinzieht und gefühlt eine Ewigkeit dauert. Trifft in dem Fall 100%ig zu.)

Auch in dem Abschnitt zwischen Mungii (3460m) und Bhraga (3480m) ändert sich diese Situation nicht. Dafür verläuft die Straße entlang des Flusses und nahezu eben. Man kann also zügig laufen und kommt schnell voran.

Trinkpause in Mungii

Relativ am Ende von Bhraga gibt es auf der linken Seite einen weitere ACAP-Checkpoint and dem man sein Permit vorzeigen muss.

Und hier beginnt das Desaster…

Wir trafen auf andere Wanderer, die uns erzählten, sie haben vor kurzem auch Deutsche getroffen und von ihnen erfahren, dass wegen des Coronavirus innerhalb der nächsten Woche alle Grenzen und Flughäfen geschlossen werden und alle deutschen Staatsbürger sich nach Hause begeben sollen. Eine ziemlich ungenaue aber schockierende Information. Aber ohne Internetempfang, oder einfach irgendeinen Empfang, ist man hier oben ziemlich abgeschnitten von der Welt. Daher läuft jede Informationsweitergabe ungefähr so ab: Irgendjemand hat von Irgendjemandem gehört, dass … Und der hat es womöglich ebenfalls von jemand anderem gehört. Und so weiter…

Also liefen wir weiter, versunken in Gedanken und Diskussionen, was wir tun, wenn das wirklich stimmt. Bleiben wir einfach im Himalaya und haben von der ganzen Sache nichts gehört? Setzen wir uns in Manang in einen Jeep und fahren zurück nach Kathmandu? Wie sähe der Mittelweg aus? Irgendwo, kurz vor Manang fiel mir dann auf, dass meine Sonnenbrille weg war. Ich hatte sie im ACAP-Checkpoint liegen lassen, abgelenkt durch die Neuigkeiten. Also ließen wir unsere Rucksäcke zusammen mit Nils zurück und liefen ZURÜCK (nach über 20km Wanderung eine ganz schöne Überwindung), nur um sie nicht mehr vorzufinden.

Das brachte das Fass zum überlaufen. Meine teure und nagelneue Sonnenbrille (mit Stärke) war weg, ich war todmüde und WIR ZOGEN ERNSTHAFT IN BETRACHT UNSERE REISE ABZUBRECHEN! Ach ja, UND wir liefen über zwei Kilometer extra, und das auch noch umsonst…

Nach einigem hin und her in Manang, irgendwie war uns allen die Entscheidungsfreudigkeit abhandengekommen, kamen wir im Tilicho Hotel unter. Im Nachhinein wohl die beste Wahl die wir treffen konnten, denn was man so hört, ist es das beste Hotel in Manang.

Zum Abendessen gab es Yak Burger mit Yak Käse, alles made in Manang (göttlich!) und ein 35€-Telefonat mit den Eltern. Internet war nicht vorhanden, also sollten die sich informieren, absprechen und uns dann ihre Einschätzung der Lage in einer SMS mitteilen. Währenddessen verbreitete sich im ganzen Essensraum Unruhe und eine seltsame Stimmung. Jeder erzählte jedem was er wusste oder irgendwo gehört hatte, an mehreren Tischen wurde mit der Heimat telefoniert (unsere Kanadischen Freunde zahlten über 200$) und überall stand die Heimreise wegen des Virus im Raum.

Fast niemand wollte heute Abend eine Entscheidung treffen, dazu waren alle zu aufgewühlt. Was macht man in so einer Situation? Ganz klar! Man verschiebt eine Entscheidung auf den nächsten Tag. Ganz nach dem Motto: eine Nacht drüber schlafen und morgen früh sieht alles besser aus.

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