Annapurna-Circuit-Treck Tag 4 und 5

Akklimatisierung in Manang.

Wir blieben drei Nächte, bzw. zwei volle Tage in Manang. Das ist nötig um den Köper an die große Höhe zu gewöhnen. So kann man das Risiko an der Höhenkrankheit zu „erkranken“ minimieren. Unser Lonely Planet Travelguide hat einen Tag vorgesehen, sprich zwei Nächte, die Himalayan Rescue Association empfiehlt jedoch mindestens drei Nächte. In und um Manang gibt es auch genügend zu sehen um mehrere Tage mit Aktivitäten zu füllen, wenn man nicht (wie ich) ziemlich froh über etwas Ruhezeit ist.

Wenn man mehrere Tage extra zur Verfügung hat, dann würde ich unbedingt einen Abstecher zum Tilicho-See empfehlen. Der soll da oben das aller schönste sein, was man so sehen kann. Zumindest haben mehrere Guides die wir so getroffen haben das felsenfest behauptet, und wenn es jemand weiß, dann die! Leider hatten wir den Tilicho-See nicht eingeplant, wir hatten ja bis vor kurzem nicht mal davon gewusst. Später wurde uns aber erzählt, dass der Weg zum See aufgrund des vielen Schnees im März nicht zugänglich und somit gesperrt war.

Von Manang aus gibt es aber auch einige Tagestouren:

Eine große Tour sind die 1200 Höhenmeter bis zum Ice Lake. Uns (vor allem mir) war das irgendwie zu viel (ich hatte gehofft, wenn ich meinen Fuß an der Luft lasse und nicht belaste, dass er dann vielleicht abheilt … naja immerhin fast…). Aber diejenigen, die oben waren konnten nur Schwärmen. Der Weg ist anstrengend, natürlich, aber die Aussicht ist ein einziger Traum. Und die Anstrengung ist nicht um sonst! Im Gegenteil, sie unterstützt und beschleunigt die Akklimatisierung. Nur leider war der See zugefroren und, was auch sonst, zugeschneit.

Für Leute wie uns, die es gerne gemütlicher haben, gibt es auch kleinere Ausflüge, wie zu den Milarepa’s Caves. Kurz hinter Bhraga (3480m) führt ein Pfad zu den Höhlen. Die Jungs waren da, leider waren die Eingänge jedoch von einer Lawine zugeschüttet, bzw. mehreren. Irgendwie habe ich das Gefühl wir waren zur falschen Jahreszeit da…

Shared from Locus Maps http://www.locusmap.eu

In Manang selbst gibt es alles, was das Wanderherz nach mehreren Tagen Trekking begehrt. Auf dem Hauptweg bieten viele Läden Trekkingequipment an. Egal ob Steigeisen (wir haben keine gekauft und trotz Schnee und Eis auch keine gebraucht. Notfalls kann man immer Socken über die Schuhe ziehen, dann rutscht man auch auf Eis nicht mehr aus), Wollsocken, Mützen, Handschuhe, Proteinriegel, Taschentücher, Seife oder sogar Schmuck. Hier findet man wirklich alles. Im Ort gibt es sogar ein Kino, das einmal täglich einen Film nach Wunsch spielt. Man kann seine Wäsche waschen lassen, bis 18:00 Uhr am selben Abend und für ca. 700 NPR pro kg. Es gibt sogar ein richtiges Krankenhaus in dem man seine Pflaster oder Wundauflagen aufstocken kann, Notfälle und entzündete Blasen können behandelt werden und einmal Täglich um 15:00 Uhr gibt es einen kostenlosen Vortrag über die Höhenkrankheit auf Englisch.

Manang

Man kann es aber auch so machen wie ich und zwei Tage lang (mit kleineren und größeren Unterbrechungen) im Essensraum auf der Couch sitzen, sich Tagsüber die Sonne durch die Scheiben auf den Rücken scheinen lassen, eine echte Wohltat nach der nächtlichen Kälte, und abends die Wärme des Feuers genießen. Dabei wird einem auch nicht langweilig, denn das Essen ist so gut, dass es nicht von dieser Welt kommen kann und die Leckereien aus der Bäckerei im Erdgeschoss sind geradezu göttlich. Kurz gesagt: Ich habe mich gefühlt wie im Paradies.

Wären da nicht die Sorgen um das Corona Virus und unsere eventuell bevorstehende Heimreise.

Unsere Eltern hatten sich über Nacht informiert, miteinander Telefoniert und sich ein wenig abgesprochen. Witzigerweise bekamen wir drei ziemlich unterschiedliche Nachrichten. Nils Elter wollten, dass er, am liebsten sofort, in einen Jeep steigt und zurück nach Kathmandu fährt (Manang ist die letzte Station von der aus das möglich ist). Toms und meine Eltern sagten so ziemlich das gleiche, nur auf unterschiedliche Art und Weise. Im Grunde sollten wir versuchen weiter zu Wandern, so weit wie es geht, sie bekommen uns dann schon irgendwie nach Hause und wenn es ein par Wochen länger dauert als geplant, dann bleiben wir halt noch ein paar Wochen länger in Nepal.

Betrachtet man den Context, dann sind die verschiedenen Reaktionen nur verständlich. Nils würde mit der verfrühten Heimfahrt nicht viel verlieren, nur eine Woche seines Urlaubs, wäre aber dafür zumindest mal in Kathmandu von wo aus er schnell ins „sichere“ Deutschland, bzw. in dem Land mit dem besseren Gesundheitssystem gelangen kann. Tom un dich hatten noch sechs Wochen vor uns und damit den Großteil der Reise, für deren Verwirklichung wir ein ganzen Jahr geopfert hatten.

Eine schwierige Entscheidung.

Wir trugen alle Informationen zusammen und versuchten die Lage hier vor Ort am 18.03.2020 in Nepal zu bewerten: Die Nepalesische Regierung gab zwar keine Trekking-Permits mehr aus und ließ niemanden in die Nationalparks, aber wir waren ja schon drin. Hier oben, so weit abgeschieden, waren wir definitiv sicherer als in Kathmandu, denn die Trekker die hier hoch kamen waren definitiv gesund und zu der nepalesischen Bevölkerung hatten wir keinen engen Kontakt. Auch die Versorgung war weitestgehend sichergestellt, denn hier oben wurden Vorräte gehortet für noch zwei weitere Monate intensiven Tourismus, der definitiv ausbleiben würde. Auch die Menschen waren entspannt denn in Nepal gab es ja „keinen Virus“. Natürlich war uns klar, dass das ein Trugbild war, da kaum getestet wird, aber die allgemeine Stimmung war gut und die Reisefreiheit weiterhin gegeben.

Unter diesen Voraussetzungen entschieden wir einstimmig nach Plan weiter zu Wandern bis Jomsom, von wo aus Nils in knapp einer Woche nach Hause fliegen sollte. Dort wollten wir die Lage nochmals neu bewerten, denn hier war es eh nicht möglich auf dem Laufenden zu bleiben. Die Situation änderte sich gefühlt alle fünf Minuten und das Internet reichte gerade so für ein paar Nachrichten und das auch nur Vormittags, mit viel Glück und, vor allem Geduld. Erst in Muktinath, nach dem Pass, sollte der Empfang wieder da sein.

Interessanterweise hatten nicht nur wir uns über Nacht beruhigt, sondern auch die meisten anderen hatten sich für eine entspannte Sichtweise entschieden und sich dazu entschlossen weiter zu Wandern. Nur sehr wenige nahmen einen Jeep zurück nach Besi Sahar und Kathmandu, zumindest in den zwei Tagen, die wir dort waren. Später, als sich die Situation zuspitze, wurden es natürlich mehr.

Allgemein habe ich die Zeit in Manang sehr genossen, das bisschen Ruhe, Stillstand und Schlemmen nach den letzten anstrengenden Tagen. Auch die Hektik und die Diskussionen mit den anderen Trekkern über die komische Situation in der wir uns befanden habe ich insgeheim ein bisschen ausgekostet, trotz der objektiv schwierigen Lage, evtl. auch ein wenig zelebriert. Aber vor allen anderen Dingen habe ich das Schlemmen und Essen genossen. Nachdem wir unsere Entscheidung gefällt hatten, war auch ein wenig der Druck und die Belastung weg. Immerhin konnten wir noch ein paar Tage weiter Wandern und das verschaffte mir Luft. Man muss in kleinen Schritten denken.

Das aller beste von allen war jedoch, dass meine Sonnenbrille wiederaufgetaucht ist! Wirklich! Ich hätte nicht mehr damit gerechnet! Eine Gruppe von Trekkern, die wir am Vortag auf der Suche nach der Brille wiedergetroffen hatten (man kennt sich immer von irgendwoher auf dem Weg), sind morgens vor dem Loslaufen extra nochmal in den ACAP-Checkpoint gegangen um nachzusehen und siehe da, meine Brille war wieder da. Jemand hatte sie eingepackt und erst im Hotel bemerkt, dass es nicht seine war. Netterweise hat derjenige sie zurück gebrach.

Beim Frühstück haben wir die Gruppe dann durch Manang laufen sehen und ich bin runter gelaufen, mehr um Hallo zu sagen und mit einer eher vagen Hoffnung, aber sie hatten meine Brille tatsächlich! An dieser Stelle nochmal Danke! (Auch, wenn das „Dankeschöön“ wahrscheinlich nie ankommen wird.)

Ein letzter Tipp noch: In den meisten Shops gibt es Yak-Käse und Yak-Salami zu kaufen. Dazu ein Weißbrot aus der Bäckerei und, für die die mögen, ein Bier und die Brotzeit ist perfekt.

Gefällt Dir dieser Beitrag?

Für die Erstellung dieses Beitrags wurden Unmengen an Keksen konsumiert. Fülle meinen Keksvorrat wieder auf, damit ich noch ganz viel weiterschreiben kann!

€1,00

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: