Die richtige Ausrüstung

Wenn man zu Fuß unterwegs ist, dann ist die richtige Ausrüstung umso entscheidender. Nicht nur was man alles einpackt, sondern auch worein man es packt ist wichtig. Welche Schuhe? Welcher Rucksack? Was braucht es nicht unbedingt und was muss sein? Das alles versuche ich hier zu beantworten.

Natürlich ist das ein Thema, das sehr von den Bedürfnissen eines Jeden abhängt. Daher kann ich keinen „richtigen“ Weg vorgeben, sondern nur erzählen wie es mir/ uns so erging und worauf ich nächstes Mal achten würde.

1. Das Schuhwerk

Das wohl entschiedenste beim Reisen zu Fuß sind die Schuhe. Sie tragen einen überall hin. Daher sollte man, sofern vorhanden, gut eingelaufene Wanderschuhe nehmen, von denen man weiß, dass man sich damit keine Blasen läuft. Von Vorteil ist es, wenn die Schuhe dann auch noch wasserdicht sind. Es kann nicht jeder so hart im nehmen sein wie die Jungs und den halben Tag mit durchnässten und kalten Füßen durch die Gegend laufen, ohne sich zu beklagen.

Hat man solche Schuhe nicht oder braucht sowieso neue, dann kann ich nur Lundhags Leather Boots empfehlen. Für mich sind sie die idealen Alleskönner.

Zur Erklärung: Lundhags produziert Lederstiefel in Handfertigung. Diese gibt es in verschiedenen Höhen und Dicken. Besonderheiten gibt es mehrere:

  • Die Schuhe haben keine Fütterung. Sie sind wirklich nur das rohe Leder. Stattdessen werden zwei paar Wollsocken übereinander getragen. So findet die Reibung zwischen den beiden paar Socken statt und man läuft sich keine Blasen. So die Theorie. In der Praxis braucht es eine Weile, bis man die richtige Sockenkombination für sich entdeckt hat und natürlich sollten auch keine Steinchen oder Falten in den Socken sein. Blasenpflaster sind ebenfalls nicht zu empfehlen. Stadtessen sollte man die aufgelaufene Stelle mit Tape abkleben und ggf. mit einem Tupfer oder einer Wundauflage polstern.
  • Bei Kälte oder Wärme kann man die Dicke oder Anzahl der Socken beliebig anpassen. So hat man einen Schuh für jede Witterung.
  • Sie sind zu 100% Wasserdicht! Da es sich um reine Lederschuhe handelt, braucht man sich um durchfeuchtete Schuhe keine Gedanken mehr zu machen. Muss man dennoch durch einen Fluss, dessen Wasserpegel höher ist als die Schuhkante, dann hat das schwedische Militär einen Trick parat: Die Schuhe werden ausgezogen, dann die Socken und zum Schluss kommt noch die Sole raus. Dann wird der Schuh barfuß wieder angezogen und so der Fluss durchquert. Da in dem Schuh selbst ja nichts ist, was Nässe saugen kann, wird dieser auf der anderen Seite nur ausgeleert, alles wieder angezogen und eingebaut und es kann weiter gehen.
  • Zuletzt das, meiner Meinung nach beste:
    Man hat lebenslange Garantie beim Hersteller! Natürlich gilt das nur bei richtiger Pflege und nicht bei den einlagigen Lederstiefeln, denn hier ist das Material irgendwann einfach durch. Aber bei abgebrochenen Ösen oder abgelaufener Sole kann man die Schuhe jederzeit wieder einschicken und bekommt sie repariert zurück. Selbst bei Beschädigungen, bedingt durch falsche Handhabung oder Pflege kümmert sich Lundhags um die Reparatur, aber dann eben auf eigene Kosten. In einer Welt wie unserer, in der das meiste nur noch produziert wird, um es nach wenigen Jahren wegzuwerfen, finde ich das bemerkenswert. Natürlich hat das seinen Preis, aber mein Uhropa hat schon gesagt: „Billige Schuhe kann er sich einfach nicht leisten.“ Und es ist irgendwie auch ein schöner Gedanke einen Schuh fürs Leben zu haben.

Zu Vorwarnung muss man aber noch erwähnen, dass die Lundhags Stiefel am Anfang die unbequemsten Schuhe waren, die ich jemals anhatte. Das liegt daran, dass sich das Leder erst an die Fußform anpassen muss. Man muss also genügend Zeit einplanen um sie einzulaufen, bevor man zu einer großen Tour startet. Dafür hat man dann die bequemsten Schuhe von allen ;-).

Wer sich genauer mit diesem Thema befassen will, der kann mal hier vorbei schauen.

2. Der Rucksack

Das zweitwichtigste ist der Rucksack, den man den ganzen Tag mit sich herumträgt. Es ist einfach wichtig dass der Rucksack optimal passt, ansonsten wird es zur Quälerei.

Das heißt: Wenn man keinen eigenen Rucksack besitzt, dann sollte man sich einen zulegen. Hier ist es am besten den Rucksack im Laden zu kaufen, wo man ihn auch anprobieren, ausprobieren und sich gegebenenfalls fachmännisch beraten lassen kann.

Auch das ist eine Anschaffung fürs Leben, an der man nicht unbedingt sparen sollte, sonst riskiert man furchtbare Rückenschmerzen und noch schlimmere aufgescheuerte Schultern, als man eh schon durch die ungewohnte Belastung bekommt. Natürlich kommt es hier auch immer drauf an, wie hart im nehmen man ist. Aber ich möchte, um ehrlich zu sein, diesen Rucksack tragen, bis er auseinander fällt und dann sollte er auch bequem sein und passen.

Mein Rucksack ist der Fjällräven Kajka 55l

Tatsächlich war das auch der einzige Rucksack im ganzen Laden, der mir gepasst hat. Vorteil: Die vielen Verstellmöglichkeiten. Denn was im Laden und auf der ersten Etappe noch prima gepasst hat, das verändert sich plötzlich durch Scheuerstellen an den Schlüsselbeinen oder bei anderer Gewichtsverteilung und so kann man den Rucksack immer an die jeweilige Tagesform anpassen. Dazu kommen die Reißverschlüsse an der Vorderseite, die es ermöglichen den Rucksack wie einen Koffer zu öffnen. Das macht das Packen deutlich übersichtlicher und man erreicht unten verstaute Dinge auch ohne den Rucksack zuvor ganz ausleeren zu müssen.

3. Die Hose

Überraschenderweise ist die Wanderhose wichtiger als man auf den ersten Blick meint. In erster Linie sollte man (vor allem die Frauen unter uns) beim anprobieren einer neue Hose drauf achten, dass sie nirgends reibt, vor allem aber nicht an den Innenseiten der Oberschenkel.

Für mich angenehmer sind Wanderhosen mit einem hohen Bund und, wenn möglich, ohne Taschen mit Reißverschlüssen, da ich mich so unter dem Hüftgurt des Rucksacks nicht die Hüftknochen blau und wund reibe.

Außerdem zu empfehlen sind Zip-Off-Hosen. So spart man Gepäck und Gewicht, da man ja kurze und lange Hose in einem hat. Beim Wandern ändert sich, zumindest bei mir, das Temperaturempfinden ständig und so kann ich von kurzer zu langer Hose und zurück wechseln, ohne dauernd umpacken zu müssen. Praktisch ist es noch, wenn man das abnehmbare Hosenbein zusätzlich mit einem Reißverschluss an der Seite öffnen kann. So muss man nicht jedes Mal die Schuhe ausziehen.

4. Das Zelt

Wir kamen leider nicht mehr dazu unser Zelt in Nepal zu benutzen, dafür aber dann in Deutschland bei ähnlich kühlen (naja, wohl eher milden) Temperaturen.

Gekauft hatten wir uns das Big Agnes Copper Spur UL2

Und im Vergleich zum Dachzelt birgt so ein Zelt immer einen riesigen Kompromiss. Denn, wenn man es tragen muss, dann sollte es natürlich möglichst leicht sein. Heißt aber unter anderem auch, dass es eher knapp abgemessen ist. Tom, mit seinen fast 1,90m, kann gerade so ausgestreckt darin liegen und berührt dabei unten und oben leicht die Plane. Für mich ist die Länge des Zelts dagegen optimal, ich kann im Fußraum sogar noch einiges an Kleidung platzieren. Die Breite ist okay. Leicht überlappend passen unsere Isomatten nebeneinander und wir gehen uns beim Schlafen nicht mehr auf die Nerven als sonst ;-).

Für mehr Leichtigkeit sind die Zeltwände dementsprechend, nennen wir es mal, filigran. Sie lassen sich gut abspannen und machen einen stabilen Eindruck, aber verglichen mit dem Dachzelt, fühlt man sich eher wie in einem Papierhaus.

Die einzige tatsächliche Schwachstelle, die nicht nur Gefühlsmäßiger Natur ist, sind die Reißverschlüsse. Mit ihnen muss man vorsichtig umspringen, da sie sich sonst schnell in der Zeltplane verhaken.

Die Entlüftung des Zeltes funktioniert so lala, zumindest wenn man in der deutschen Frühjahreskälte neben einem Fluss schläft. Morgens sind die äußeren Zeltwände an der Innenseite nass aufgrund der Kondensation der Atemluft. Bei starkem Regen oder Wind habe ich es leider noch nicht getestet, genauso wenig bei sommerlichen Temperaturen. Ich könnte mir vorstellen, dass das dann kein so großes Problem mehr ist bzw. man kann die äußere Plane auch einfach weglassen.

Praktisch sind die Ausgänge. Da der Platz eh rar gesät ist, ist es umso besser, dass sich auf jeder Seite ein vollwertiger Ausgang befindet. Das ermöglicht, dass man aus und ein gehen kann, wie es einem beliebt, ohne jedes mal über den Anderen klettern zu müssen. Außerdem sind die Aus-/ Eingänge so gestaltet, dass sie, wenn sie abgespannt, sind noch genügend Platz bieten um auch die Rucksäcke einigermaßen regen-sicher zu verstauen, zumindest aber diebstahlsicher, sofern das in einem Zelt möglich ist.

Auch das Aufbauen ist ist erstaunlich intuitiv und geht auch alleine und bei Dunkelheit einfach und schnell. Das gleiche gilt für die Handhabung des Footprint, den man leider bei Nässe benötigt, da der Zeltboden genauso filigran gestaltet ist wie die äußere Plane. (Na gut, es gibt doch zwei Nachteile.)

Ein weiterer riesiger Vorteil ist, dass das Zelt vergleichsweise hoch ist, so dass man sich im sitzen ohne große Probleme umziehen kann und so zumindest etwas Privatsphäre herrscht.

Im Endeffekt ist und bleibt das Zelt aber ein Kompromiss aus Leichtigkeit und Bequemlichkeit, den jeder nach den eigenen Bedürfnissen finden muss.

5. Die Regenjacke

Oder darf es vielleicht doch ein Poncho sein? In meinem Fall ja. Warum?

Ein Poncho ist leichter als jede Regenjacke, die wir zu Hause hatten, er hat ein kleineres Packmaß und ist deutlich billiger in der Anschaffung. Und, auch wenn ich damit aussehe wie ein verlaufener Geist, ich bin mir sicher, dass ich bei Regen die einzige bin, die wirklich trocken bleibt, einschließlich der Hose. Der Poncho wird nämlich über den Rucksack geworfen (der bleibt also auch trocken) und so entstehen keine durchnässten Stellen an den Schultergurten. Zusätzlich reicht er bis übers Knie, was dazu führt, dass selbst beim Bergaufsteigen die Oberschenkel trocken bleiben.

6. Die Stöcke

Ob man Stöcke braucht oder nicht, das ist so eine Frage für sich. Nachdem ich mich mal an das Laufen mit Stöcken gewöhnt habe, möchte ich, für meinen Teil, nicht mehr ohne gehen.

Bergauf nehme ich mit den Armen so circa das Gewicht des Rucksacks weg, was dazu führt, dass meine Oberschenkel deutlich länger durchhalten. Bergab stütze ich mich bei großen Stufen mit fast meinem ganzen Gewicht auf die Stöcke und schone so meine Knie, die gerne mal anfangen weh zu tun. Und falls die Beine doch müde werden und ich ausrutsche, dann kann ich mich mit den Stöcken zusätzlich noch abfangen.

Gefällt Dir dieser Beitrag?

Für die Erstellung dieses Beitrags wurden Unmengen an Keksen konsumiert. Fülle meinen Keksvorrat wieder auf, damit ich noch ganz viel weiterschreiben kann!

€1,00

Oder unterstütze mich hier: Become a Patron!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: