Leben im Tiny House

Dieses Thema reizt mich schon seit einigen Jahren, seit ich das erste Mal die Tiny-House-Szene auf Youtube entdeckt hatte. Ich fand die Vorstellung schön, sich sein eigenes kleines Nest zu bauen und in unserer konsumbestimmten Welt trotzdem mit wenig auszukommen. Und natürlich spielte der Gedanke überall auf der Welt Leben zu können eine immense Rolle. Auch heute noch hat mich diese Vorstellung noch nicht losgelassen, wenn ich auch etwas realistischer geworden bin. Heute hat sich mein Tiny House gewandelt, vom verspielten Hexenhaus auf zwei Rädern, zu einem eher praktisch ausgelegten auf vier, am besten natürlich mit Allrad. Der Grundgedanke bleibt trotzdem der gleiche.

Vorstellungen und Träume sind ja schön und gut, trotzdem beschäftigt mich die Frage, ob das überhaupt praktikabel ist, auf so wenig Raum. Vor allem wenn man nicht alleine ist!

Vor kurzem bekam ich dann die Chance das mal auszutesten. Und das ganz überraschend bei einem Familienurlaub in Wurmansau bei Unterammergau. Der Ammertaler Hof vermietet nämlich ein solches Tiny House (neben einem Boot auf dem Trockenen) wie ein Hotelzimmer. So kam es, dass meine kleine Schwester und ich das Tiny House bezogen und meine Eltern, mit ihrem Toyota Landcruiser, den Wohnmobilstellplatz direkt daneben.

Das Tiny House hat seinem Namen wirklich alle Ehre gemach. Es ist nämlich wirklich tiny. Vor allem wenn man versucht eine vierköpfige Familie samt Hund bei schlechtem Wetter darin unterzubringen, neben diversen Eurokisten mit Ausrüstung. In dem Fall muss man fairerweise sagen, dass wir damit von dem Tiny House etwas verlangt haben, was schlicht und einfach unmöglich ist, denn dazu ist es nicht gebaut. Na gut, vielleicht hätte es noch einiges geholfen, wenn wir unser Gepäck in den, dafür vorgesehenen Schränken verstaut hätten. Das hätte aber das Grundproblem nicht gelöst.

Zur Erklärung: Das Tiny House ist aufgebaut wie ein Hotelzimmer und wird auch als solches vermietet. Sprich Bad, Couch, Regale, Tisch, Bett und keine Küche. Die Betten, ein Doppel- und ein Einzelbett lassen sich bei Bedarf von der Decke herablassen, leider genau auf Kopfstoßhöhe. 10 cm höher hätten uns das Leben deutlich leichter gemacht und das bringt mich auch gleich zum springenden Punkt:

Denn was zählt ist, dass man seine eigenen Bedürfnisse kennt. Denn nicht die Quadratmeterzahl macht am Ende aus, ob das Leben im Tiny House funktionieren kann oder nicht, sondern die Art und Weise wie es eingerichtet ist. Man muss wissen, was man braucht und das Tiny House dementsprechend gestalten. Von der Stange kaufen funktioniert hier einfach nicht. Wer es einfach will, der ist hier auch falsch. Es ist ein sehr individuelles Projekt, in das ganz viel Herzblut und Überlegungen gesteckt werden müssen.

Aber woher soll man denn wissen, was man braucht?

Die Frage kann einem niemand so pauschal beantworten. Am besten ist es, wenn man sich ein Tiny House sucht, das man für ein paar Tage beziehen kann. So fällt auf, was einem gut gefällt und aber vor allem, woran es hakt.

Als Beispiel hier mal, was ich an dem Tiny House, das wir bezogen hatten, verändert hätte:

Die herablassbaren Betten haben mir sehr gut gefallen, weil sie tagsüber den Raum sehr groß und offen wirken lassen. Praktisch waren sie aber leider nicht, denn man kann nur darin liegen, wenn sie ganz heruntergelassen sind. Wollte also einer einen Mittagsschlaf machen, so konnte der andere den Raum darunter nicht mehr wirklich nutzen. Die Lösung mit der Leiter, die dann an das herabgelassene Bett gestellt wird, war ebenfalls wenig praktikabel. Sie war die ganze Zeit im Weg. Stattdessen hätte ich ein fest installiertes Bett gewählt, um einiges Näher ans Dach, um dem Raum darunter ebenfalls gut nutzen zu können. Anstatt einer Leiter hätte ich eine Treppe an der Wand entlang nach oben gebaut, die ebenfalls als Stauraum genutzt werden kann. Dieser war nämlich ebenfalls viel zu knapp. Als Tisch hätte ich wohl einen gewählt, der sich bei Bedarf an der Wand aufklappen lässt. Und so geht es weiter. Von der Platzierung der Steckdosen über die Fenster bis hin zu der Couch. Das einzige, was ich wohl so gelassen hätte wie es ist, ist das Bad. Das war einfach praktisch eingerichtet, die Schiebetür nimmt kaum Platz weg und der Spiegel schafft ein großes Raumgefühl.

Wie man sieht: Ein sehr individuelles Projekt, das sehr viele Schwierigkeiten und Stolpersteine zu bieten hat (ohne das ich die Transportabilität überhaupt angesprochen habe), für das es aber auch ganz viele Lösungen gibt. Man muss eben nur die richtige für sich finden.

Zum Schluss die alles entscheidende Frage:

Kann ich mir immer noch vorstellen in einem Tiny House zu leben?

Vorstellen kann ich mir das definitiv. Der Gedanke reizt mich, angefangen bei der Planung, über die Herausforderung des Baus, bis hin zum minimalistischen Leben.

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