Slowenien

Nach einem Monat in Slowenien haben wir einen ziemlich guten Eindruck von dem Land bekommen. Oder vielleicht doch nicht? Eigentlich sollten wir uns nach diesem Monat blind zurecht finden und die Eigenheiten Sloweniens kennen, wie die sprichwörtliche Westentasche. Aber irgendwie ist das Land für uns nicht so richtig zu greifen. Irgendetwas fehlt uns hier.

Aber um das besser zu verstehen, sind etwas mehr Hintergrundinformationen nötig:

Im Juli 2020 sind Tom und ich mit dem Ford Focus meiner Eltern und meinem Dachzelt durch Slowenien unterwegs gewesen. (Ja, mit unseren jungen 19 Jahren, knapp ein Jahr nach bestandenem Abitur, besitzen wir kein eigenes Auto und sind damit auf die Großzügigkeit meiner Eltern angewiesen, was einen fahrbaren Untersatz angeht. An dieser Stelle drücke ich nochmal meine zutiefst empfundene Dankbarkeit aus und stelle amüsiert fest, dass ich zwar ein Dachzelt aber kein Fahrzeug dazu besitze. Die Ironie dieses Umstands ist mir bis jetzt, also ein ganzen Jahr lang, verborgen geblieben… Aber ich schweife ab.)

Jedenfalls waren wir mit dem Auto und Dachzelt in Slowenien unterwegs. Die ganze Sache kam ziemlich plötzlich und war alles andere als geplant. Ein paar Tage vor Abfahrt wussten wir noch nicht mal wohin es gehen soll. Durch Corona mussten wir unsere ursprünglichen Pläne schon mit der verfrühten Heimreise aus Nepal verwerfen. Kaum dass ich im Juni realisiert hatte, das die Grenzen wieder offen sind gab es für mich nur eins: Hauptsache weg. Dementsprechend hatten wir kein Ziel, keine Erwartungen und keine Wünsche. Wir ließen uns einfach durchs Land treiben, mal abgesehen von einer Woche, die wir zum Wandern in einer kleinen Hütte in den Alpen verbrachten.

Vielleicht ist es auch genau diesem Umstand geschuldet, dass unser Eindruck so wage und unbestimmt ausfällt. Wer keine Erwartungen hat, kann auch nicht enttäuscht werden, aber auch nicht positiv überrascht. Ok, natürlich kann man immer positiv überrascht werden, aber nichts reicht daran heran, wenn gesteckte Erwartungen übertroffen werden.

Nur mit einer Sache hätten wir tatsächlich nie gerechnet: Nämlich wie touristisch Slowenien ist. Sehr, sehr, sehr touristisch. Für manche mag es genau das richtige sein, sich mitten ins Getümmel zu stürzen. Mich dagegen hat in Bled, direkt nach der Grenze, erst mal der Kulturschock getroffen. Mir war das alles zu viel auf zu engem Raum. Denn Slowenien ist ganz schön klein. (In zwei Stunden kommt man von der einen Ecke des Landes in die gegenüberliegende. Das muss man sich erst nochmal ins Gedächtnis rufen.)

Eben aus diesem Grund haben wir uns im allgemeinen eher von, sagen wir mal, „allem“ fern gehalten. Zumindest soweit das möglich war. Kultur und große Städte haben wir größtenteils gemieden und stattdessen die Natur in vollen Zügen genossen. So haben wir zwar die schönsten Badestellen Sloweniens für uns entdeckt, dafür aber wenig Gefühl für die Gesellschaft, die Geschichte, die Kultur und die Eigenheiten des Landes bekommen.

Die Landschaft ist ein Traum, sofern man dann mal in dem Wirrwarr aus kostenpflichtigen Parkplätzen und Rafting-angeboten ein Stückchen Natur gefunden hat. Die Ausläufer der Alpen bieten die schönste Bergsicht die man sich nur vorstellen kann. Die eisigen Flüsse sind, abgesehen von oder auch gerade wegen der frostigen Kälte ein einziger Badespaß. Vorausgesetzt man schafft es den Menschenmassen auszuweichen. Interessanterweise stelle ich das zu Corona-Zeiten fest. Der wirkliche Wahnsinn ging erst los, zusammen mit den Sommerferien in Bayern. Es ist einfach zu viel. Aber vielleicht bin ich auch einfach ein wenig überempfindlich.

Durch die, fast schon bedrückende Enge und die touristische Struktur ist es umso schwieriger schöne Plätze zum Wildcampen zu finden. Diesem Umstand ist es wahrscheinlich geschuldet, dass wir das Gefühl der grenzenlosen Freiheit vermissen, das Griechenland bestimmt hat (unsere letzte große Reise mit dem Dachzelt).

Aber wenn wir schon dabei sind diese Reise mit Griechenland zu vergleichen, dann kann ich auch gleich auf die Temperaturen zu sprechen kommen. Die sind nämlich, trotz Hochsommer, um einiges erträglicher als in Griechenland, wenn auch deutlich wechselhafter. Das lässt einiges mehr an Aktivität zu. Wobei auch in den Bergen zu manchen Tagen Hochbetrieb herrscht. Hier tummeln sich aber eher die Slowenen selbst die, geschuldet durch Corona, im eigenen Land Urlaub machen. Trotzdem ist es irgendwie ein irritierender Anblick, wenn in der Berghütte jeder Gast zuerst mit dem Barkeeper/ der Bedienung einen Schnaps kippt. (Ich frage mich, wie der am Ende des Tages überhaupt noch stehen kann…).

Andere Länder andere Sitten.

Aber so anders ist Slowenien dann auch wieder nicht. Es erinnert alles sehr an zu Hause. Nichts ist wirklich fremd. Vielleicht ist es auch gerade diese Fremdheit die uns fehlt. Alles läuft bekannt ab. Das Autofahren, das Einkaufen, die Campingplätze, die Landschaft und das Leben im Allgemeinen. Das einzige fremde ist die Sprache und die ist kein Hindernis. Die meisten Slowenen*innen sprechen Deutsch oder Englisch, meisten aber beides. Keine Fremdheit, kein Abenteuer, abgesehen von unserem Strafzettel für Wildcampen und selbst das war in gewisser Weise vertraut kleinlich, nur eben auf Englisch.

Slowenien ist ein schönes Land, ja. Ideal für Familien mit kleinen Kindern und ruhiges dahindümpeln. Hier kann man perfekt die Zeit und die Natur genießen, sich treiben lassen. Ob uns nun die Freiheit des Meeres, das Abenteuer des wirklich fremden oder einfach die Zeit gefehlt hat, die Reise wirklich zu verarbeiten, das kann ich nicht sagen, aber irgendwas fehlt.

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