Wildcampen in Slowenien

Dieser Artikel beginnt wenig überraschend, denn, wie nicht anders erwartet, ist Wildcampen in Slowenien verboten. Bei unserer, eher etwas mageren Internetrecherche stießen wir auf eine Bußgeldhöhe von bis zu 500€ fürs Wildcampen. Bei so einer Summe überlegt man zweimal.

Wir kamen zweimal zum gleichen Ergebnis: Probieren geht über studieren. Ob es offiziell verboten ist, sagt schließlich wenig über die tatsächliche Situation aus. Das beste Beispiel dafür ist Griechenland. Trotzdem wussten wir, von vorne herein, dass es schwierig werden würde.

Ziemlich schnell stellte sich aber heraus, dass das größte Problem darin besteht, passende Stellplätze zu finden. Zumindest für uns. Unterwegs mit einem Ford Focus ist die Geländegängigkeit stark eingeschränkt und das Dachzelt nicht gerade unauffällig. Diese Umstände führen meistens zu dem gleichen Dilemma: Entweder wir stehen zu exponiert oder wir kommen gar nicht erst bis zu den ausgewählten Plätzen. Manchmal passiert es auch, dass wir zwar hin kommen, am nächsten Morgen aber irgendwie nicht mehr weg. An dieser Stelle nochmal Danke an Bojana und Juri fürs raus ziehen!

Das wohl größte Problem ist, dass Slowenien sehr touristisch ist. Sehr, sehr touristisch. Fast jeder Parkplatz ist Kostenpflichtig und über Nacht ist Campen verboten. Dazu kommt, dass es in fast jedem Ort mindestens einen Campingplatz gibt, der sich natürlich wenig über derart billige Konkurrenzveranstaltungen freut. Also gilt: Bleibt weg von Campingplätzen. Die sind nämlich die ersten die die Polizei rufen. Wir mussten das leider erst auf die harte Tour lernen. Wenn man mit einem „Good Morning! Wake up! Police!“ aus dem Schlaf gerissen wird, dann steigt nicht nur der Adrenalinpegel ins unermessliche, sondern sorgt auch für einen bleibenden Eindruck. Zum Glück hatte der diensthabende Polizist Verständnis und brummte mir nur einen Strafzettel für die Missachtung eines Einfahrt verboten Schildes auf (80€) und Tom eine Strafe fürs Wildcampen (41,73€). Damit sind wir glimpflich und mit einem Schock davon gekommen.

Generell ist die nordwestliche Ecke, so schön sie auch sein mag, eher nicht fürs Wildcampen geeignet. Denn in der Ecke um Bovec und Kobarid gibt es eine ziemlich tüchtige, ich nenne es mal „local police“ (so hat es mir zumindest der Polizist erklärt), die so eifrig ist, dass sie schon um 7:30 Uhr Strafzettel verteilt ;-).

Aber schwierig heißt ja bekanntlich nicht unmöglich und wenn IOverlander mal nicht weiterhilft, dann sind Startpunkte von Wanderwegen immer einen Versuch wert. Die Schotterwege sind (zumindest meistens) so gut in Schuss, dass man selbst mit einem vollbeladenen Ford Focus mit schlechten Reifen nicht verzweifelt. Ganz oben sollte dann eine geebnete Fläche sein, die genügend Privatsphäre bietet um sich wohl zu fühlen. Parkt man dann für die Nacht auch noch so platzsparend wie möglich, haben die Wanderer und Mountainbiker oder Kletterer, die morgens kommen kein Problem damit.

Ein weiterer heißer Tipp ist die Kolpa, der Grenzfluss zwischen Slowenien und Kroatien. Der wurde uns von zwei verschiedenen Personen empfohlen und das ganz unabhängig voneinander. Da muss dann wohl tatsächlich etwas dran sein. Das mussten wir natürlich ausprobieren! Leider sah das dann etwas anders aus als erwartet. Zu dem Fluss hat man nämlich, dank des furchtbar hässlichen und total unnötigen Grenzzaunes, nur schwer Zugang. An Stellen, an denen dies möglich ist, gibt es dann zumeist Camping- oder Wohnmobilstellplätze. Stattdessen findet man etwas abseits des Flusses, in Richtung des Landesinneren schöne Plätze. Die Gegend ist sehr ländlich, die Straßen klein und es führen unzählige Schotterwege über die Wiesen und Felder in die Wälder hinein. Diese sind in erstaunlich gutem Zustand, so dass sich ziemlich schnell ein verstecktes Plätzchen in einer kleinen Waldlichtung finden lässt.

So ganz auskosten konnten wir das leider nicht. Nicht, dass wir es nicht versucht hätten. Aber nach unserem kleinen Strafzetteldrama konnten wir uns einfach nicht mehr entspannen. Als dann morgens ein Traktor genau den einen Feldweg hochkam, an dem wir uns im Wald verschanzt hatten und dann auch noch eine Weile stehen blieb um unser Nachtlager zu begutachten, war es für uns vorbei. Einen zweiten Strafzettel brauchten wir nicht unbedingt. Es ist einfach nicht schön, wenn man nicht ruhig schlafen kann.

Zusammenfassend lässt sich also sagen: Es ist schwer, ja. Aber nicht unmöglich. Wildcampen funktioniert in Slowenien, so lange man sich von Campingplätzen, Nationalparks und Menschen im allgemeinen fern hält, was bei der Größe, oder eher Kleine des Landes an ein Kunststück grenzt.

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