Wildcampen in Slowenien

Dieser Artikel beginnt wenig überraschend, denn, wie nicht anders erwartet, ist Wildcampen in Slowenien verboten. Bei unserer, eher etwas mageren Internetrecherche stießen wir auf eine Bußgeldhöhe von bis zu 500€ fürs Wildcampen. Bei so einer Summe überlegt man zweimal.

Wir kamen zweimal zum gleichen Ergebnis: Probieren geht über studieren. Ob es offiziell verboten ist, sagt schließlich wenig über die tatsächliche Situation aus. Das beste Beispiel dafür ist Griechenland. Trotzdem wussten wir, von vorne herein, dass es schwierig werden würde.

Ziemlich schnell stellte sich aber heraus, dass das größte Problem darin besteht, passende Stellplätze zu finden. Zumindest für uns. Unterwegs mit einem Ford Focus ist die Geländegängigkeit stark eingeschränkt und das Dachzelt nicht gerade unauffällig. Diese Umstände führen meistens zu dem gleichen Dilemma: Entweder wir stehen zu exponiert oder wir kommen gar nicht erst bis zu den ausgewählten Plätzen. Manchmal passiert es auch, dass wir zwar hin kommen, am nächsten Morgen aber irgendwie nicht mehr weg. An dieser Stelle nochmal Danke an Bojana und Juri fürs raus ziehen!

Das wohl größte Problem ist, dass Slowenien sehr touristisch ist. Sehr, sehr touristisch. Fast jeder Parkplatz ist Kostenpflichtig und über Nacht ist Campen verboten. Dazu kommt, dass es in fast jedem Ort mindestens einen Campingplatz gibt, der sich natürlich wenig über derart billige Konkurrenzveranstaltungen freut. Also gilt: Bleibt weg von Campingplätzen. Die sind nämlich die ersten die die Polizei rufen. Wir mussten das leider erst auf die harte Tour lernen. Wenn man mit einem „Good Morning! Wake up! Police!“ aus dem Schlaf gerissen wird, dann steigt nicht nur der Adrenalinpegel ins unermessliche, sondern sorgt auch für einen bleibenden Eindruck. Zum Glück hatte der diensthabende Polizist Verständnis und brummte mir nur einen Strafzettel für die Missachtung eines Einfahrt verboten Schildes auf (80€) und Tom eine Strafe fürs Wildcampen (41,73€). Damit sind wir glimpflich und mit einem Schock davon gekommen.

Generell ist die nordwestliche Ecke, so schön sie auch sein mag, eher nicht fürs Wildcampen geeignet. Denn in der Ecke um Bovec und Kobarid gibt es eine ziemlich tüchtige, ich nenne es mal „local police“ (so hat es mir zumindest der Polizist erklärt), die so eifrig ist, dass sie schon um 7:30 Uhr Strafzettel verteilt ;-).

Aber schwierig heißt ja bekanntlich nicht unmöglich und wenn IOverlander mal nicht weiterhilft, dann sind Startpunkte von Wanderwegen immer einen Versuch wert. Die Schotterwege sind (zumindest meistens) so gut in Schuss, dass man selbst mit einem vollbeladenen Ford Focus mit schlechten Reifen nicht verzweifelt. Ganz oben sollte dann eine geebnete Fläche sein, die genügend Privatsphäre bietet um sich wohl zu fühlen. Parkt man dann für die Nacht auch noch so platzsparend wie möglich, haben die Wanderer und Mountainbiker oder Kletterer, die morgens kommen kein Problem damit.

Ein weiterer heißer Tipp ist die Kolpa, der Grenzfluss zwischen Slowenien und Kroatien. Der wurde uns von zwei verschiedenen Personen empfohlen und das ganz unabhängig voneinander. Da muss dann wohl tatsächlich etwas dran sein. Das mussten wir natürlich ausprobieren! Leider sah das dann etwas anders aus als erwartet. Zu dem Fluss hat man nämlich, dank des furchtbar hässlichen und total unnötigen Grenzzaunes, nur schwer Zugang. An Stellen, an denen dies möglich ist, gibt es dann zumeist Camping- oder Wohnmobilstellplätze. Stattdessen findet man etwas abseits des Flusses, in Richtung des Landesinneren schöne Plätze. Die Gegend ist sehr ländlich, die Straßen klein und es führen unzählige Schotterwege über die Wiesen und Felder in die Wälder hinein. Diese sind in erstaunlich gutem Zustand, so dass sich ziemlich schnell ein verstecktes Plätzchen in einer kleinen Waldlichtung finden lässt.

So ganz auskosten konnten wir das leider nicht. Nicht, dass wir es nicht versucht hätten. Aber nach unserem kleinen Strafzetteldrama konnten wir uns einfach nicht mehr entspannen. Als dann morgens ein Traktor genau den einen Feldweg hochkam, an dem wir uns im Wald verschanzt hatten und dann auch noch eine Weile stehen blieb um unser Nachtlager zu begutachten, war es für uns vorbei. Einen zweiten Strafzettel brauchten wir nicht unbedingt. Es ist einfach nicht schön, wenn man nicht ruhig schlafen kann.

Zusammenfassend lässt sich also sagen: Es ist schwer, ja. Aber nicht unmöglich. Wildcampen funktioniert in Slowenien, so lange man sich von Campingplätzen, Nationalparks und Menschen im allgemeinen fern hält, was bei der Größe, oder eher Kleine des Landes an ein Kunststück grenzt.

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Slowenien

Nach einem Monat in Slowenien haben wir einen ziemlich guten Eindruck von dem Land bekommen. Oder vielleicht doch nicht? Eigentlich sollten wir uns nach diesem Monat blind zurecht finden und die Eigenheiten Sloweniens kennen, wie die sprichwörtliche Westentasche. Aber irgendwie ist das Land für uns nicht so richtig zu greifen. Irgendetwas fehlt uns hier.

Aber um das besser zu verstehen, sind etwas mehr Hintergrundinformationen nötig:

Im Juli 2020 sind Tom und ich mit dem Ford Focus meiner Eltern und meinem Dachzelt durch Slowenien unterwegs gewesen. (Ja, mit unseren jungen 19 Jahren, knapp ein Jahr nach bestandenem Abitur, besitzen wir kein eigenes Auto und sind damit auf die Großzügigkeit meiner Eltern angewiesen, was einen fahrbaren Untersatz angeht. An dieser Stelle drücke ich nochmal meine zutiefst empfundene Dankbarkeit aus und stelle amüsiert fest, dass ich zwar ein Dachzelt aber kein Fahrzeug dazu besitze. Die Ironie dieses Umstands ist mir bis jetzt, also ein ganzen Jahr lang, verborgen geblieben… Aber ich schweife ab.)

Jedenfalls waren wir mit dem Auto und Dachzelt in Slowenien unterwegs. Die ganze Sache kam ziemlich plötzlich und war alles andere als geplant. Ein paar Tage vor Abfahrt wussten wir noch nicht mal wohin es gehen soll. Durch Corona mussten wir unsere ursprünglichen Pläne schon mit der verfrühten Heimreise aus Nepal verwerfen. Kaum dass ich im Juni realisiert hatte, das die Grenzen wieder offen sind gab es für mich nur eins: Hauptsache weg. Dementsprechend hatten wir kein Ziel, keine Erwartungen und keine Wünsche. Wir ließen uns einfach durchs Land treiben, mal abgesehen von einer Woche, die wir zum Wandern in einer kleinen Hütte in den Alpen verbrachten.

Vielleicht ist es auch genau diesem Umstand geschuldet, dass unser Eindruck so wage und unbestimmt ausfällt. Wer keine Erwartungen hat, kann auch nicht enttäuscht werden, aber auch nicht positiv überrascht. Ok, natürlich kann man immer positiv überrascht werden, aber nichts reicht daran heran, wenn gesteckte Erwartungen übertroffen werden.

Nur mit einer Sache hätten wir tatsächlich nie gerechnet: Nämlich wie touristisch Slowenien ist. Sehr, sehr, sehr touristisch. Für manche mag es genau das richtige sein, sich mitten ins Getümmel zu stürzen. Mich dagegen hat in Bled, direkt nach der Grenze, erst mal der Kulturschock getroffen. Mir war das alles zu viel auf zu engem Raum. Denn Slowenien ist ganz schön klein. (In zwei Stunden kommt man von der einen Ecke des Landes in die gegenüberliegende. Das muss man sich erst nochmal ins Gedächtnis rufen.)

Eben aus diesem Grund haben wir uns im allgemeinen eher von, sagen wir mal, „allem“ fern gehalten. Zumindest soweit das möglich war. Kultur und große Städte haben wir größtenteils gemieden und stattdessen die Natur in vollen Zügen genossen. So haben wir zwar die schönsten Badestellen Sloweniens für uns entdeckt, dafür aber wenig Gefühl für die Gesellschaft, die Geschichte, die Kultur und die Eigenheiten des Landes bekommen.

Die Landschaft ist ein Traum, sofern man dann mal in dem Wirrwarr aus kostenpflichtigen Parkplätzen und Rafting-angeboten ein Stückchen Natur gefunden hat. Die Ausläufer der Alpen bieten die schönste Bergsicht die man sich nur vorstellen kann. Die eisigen Flüsse sind, abgesehen von oder auch gerade wegen der frostigen Kälte ein einziger Badespaß. Vorausgesetzt man schafft es den Menschenmassen auszuweichen. Interessanterweise stelle ich das zu Corona-Zeiten fest. Der wirkliche Wahnsinn ging erst los, zusammen mit den Sommerferien in Bayern. Es ist einfach zu viel. Aber vielleicht bin ich auch einfach ein wenig überempfindlich.

Durch die, fast schon bedrückende Enge und die touristische Struktur ist es umso schwieriger schöne Plätze zum Wildcampen zu finden. Diesem Umstand ist es wahrscheinlich geschuldet, dass wir das Gefühl der grenzenlosen Freiheit vermissen, das Griechenland bestimmt hat (unsere letzte große Reise mit dem Dachzelt).

Aber wenn wir schon dabei sind diese Reise mit Griechenland zu vergleichen, dann kann ich auch gleich auf die Temperaturen zu sprechen kommen. Die sind nämlich, trotz Hochsommer, um einiges erträglicher als in Griechenland, wenn auch deutlich wechselhafter. Das lässt einiges mehr an Aktivität zu. Wobei auch in den Bergen zu manchen Tagen Hochbetrieb herrscht. Hier tummeln sich aber eher die Slowenen selbst die, geschuldet durch Corona, im eigenen Land Urlaub machen. Trotzdem ist es irgendwie ein irritierender Anblick, wenn in der Berghütte jeder Gast zuerst mit dem Barkeeper/ der Bedienung einen Schnaps kippt. (Ich frage mich, wie der am Ende des Tages überhaupt noch stehen kann…).

Andere Länder andere Sitten.

Aber so anders ist Slowenien dann auch wieder nicht. Es erinnert alles sehr an zu Hause. Nichts ist wirklich fremd. Vielleicht ist es auch gerade diese Fremdheit die uns fehlt. Alles läuft bekannt ab. Das Autofahren, das Einkaufen, die Campingplätze, die Landschaft und das Leben im Allgemeinen. Das einzige fremde ist die Sprache und die ist kein Hindernis. Die meisten Slowenen*innen sprechen Deutsch oder Englisch, meisten aber beides. Keine Fremdheit, kein Abenteuer, abgesehen von unserem Strafzettel für Wildcampen und selbst das war in gewisser Weise vertraut kleinlich, nur eben auf Englisch.

Slowenien ist ein schönes Land, ja. Ideal für Familien mit kleinen Kindern und ruhiges dahindümpeln. Hier kann man perfekt die Zeit und die Natur genießen, sich treiben lassen. Ob uns nun die Freiheit des Meeres, das Abenteuer des wirklich fremden oder einfach die Zeit gefehlt hat, die Reise wirklich zu verarbeiten, das kann ich nicht sagen, aber irgendwas fehlt.

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Leben im Tiny House

Dieses Thema reizt mich schon seit einigen Jahren, seit ich das erste Mal die Tiny-House-Szene auf Youtube entdeckt hatte. Ich fand die Vorstellung schön, sich sein eigenes kleines Nest zu bauen und in unserer konsumbestimmten Welt trotzdem mit wenig auszukommen. Und natürlich spielte der Gedanke überall auf der Welt Leben zu können eine immense Rolle. Auch heute noch hat mich diese Vorstellung noch nicht losgelassen, wenn ich auch etwas realistischer geworden bin. Heute hat sich mein Tiny House gewandelt, vom verspielten Hexenhaus auf zwei Rädern, zu einem eher praktisch ausgelegten auf vier, am besten natürlich mit Allrad. Der Grundgedanke bleibt trotzdem der gleiche.

Vorstellungen und Träume sind ja schön und gut, trotzdem beschäftigt mich die Frage, ob das überhaupt praktikabel ist, auf so wenig Raum. Vor allem wenn man nicht alleine ist!

Vor kurzem bekam ich dann die Chance das mal auszutesten. Und das ganz überraschend bei einem Familienurlaub in Wurmansau bei Unterammergau. Der Ammertaler Hof vermietet nämlich ein solches Tiny House (neben einem Boot auf dem Trockenen) wie ein Hotelzimmer. So kam es, dass meine kleine Schwester und ich das Tiny House bezogen und meine Eltern, mit ihrem Toyota Landcruiser, den Wohnmobilstellplatz direkt daneben.

Das Tiny House hat seinem Namen wirklich alle Ehre gemach. Es ist nämlich wirklich tiny. Vor allem wenn man versucht eine vierköpfige Familie samt Hund bei schlechtem Wetter darin unterzubringen, neben diversen Eurokisten mit Ausrüstung. In dem Fall muss man fairerweise sagen, dass wir damit von dem Tiny House etwas verlangt haben, was schlicht und einfach unmöglich ist, denn dazu ist es nicht gebaut. Na gut, vielleicht hätte es noch einiges geholfen, wenn wir unser Gepäck in den, dafür vorgesehenen Schränken verstaut hätten. Das hätte aber das Grundproblem nicht gelöst.

Zur Erklärung: Das Tiny House ist aufgebaut wie ein Hotelzimmer und wird auch als solches vermietet. Sprich Bad, Couch, Regale, Tisch, Bett und keine Küche. Die Betten, ein Doppel- und ein Einzelbett lassen sich bei Bedarf von der Decke herablassen, leider genau auf Kopfstoßhöhe. 10 cm höher hätten uns das Leben deutlich leichter gemacht und das bringt mich auch gleich zum springenden Punkt:

Denn was zählt ist, dass man seine eigenen Bedürfnisse kennt. Denn nicht die Quadratmeterzahl macht am Ende aus, ob das Leben im Tiny House funktionieren kann oder nicht, sondern die Art und Weise wie es eingerichtet ist. Man muss wissen, was man braucht und das Tiny House dementsprechend gestalten. Von der Stange kaufen funktioniert hier einfach nicht. Wer es einfach will, der ist hier auch falsch. Es ist ein sehr individuelles Projekt, in das ganz viel Herzblut und Überlegungen gesteckt werden müssen.

Aber woher soll man denn wissen, was man braucht?

Die Frage kann einem niemand so pauschal beantworten. Am besten ist es, wenn man sich ein Tiny House sucht, das man für ein paar Tage beziehen kann. So fällt auf, was einem gut gefällt und aber vor allem, woran es hakt.

Als Beispiel hier mal, was ich an dem Tiny House, das wir bezogen hatten, verändert hätte:

Die herablassbaren Betten haben mir sehr gut gefallen, weil sie tagsüber den Raum sehr groß und offen wirken lassen. Praktisch waren sie aber leider nicht, denn man kann nur darin liegen, wenn sie ganz heruntergelassen sind. Wollte also einer einen Mittagsschlaf machen, so konnte der andere den Raum darunter nicht mehr wirklich nutzen. Die Lösung mit der Leiter, die dann an das herabgelassene Bett gestellt wird, war ebenfalls wenig praktikabel. Sie war die ganze Zeit im Weg. Stattdessen hätte ich ein fest installiertes Bett gewählt, um einiges Näher ans Dach, um dem Raum darunter ebenfalls gut nutzen zu können. Anstatt einer Leiter hätte ich eine Treppe an der Wand entlang nach oben gebaut, die ebenfalls als Stauraum genutzt werden kann. Dieser war nämlich ebenfalls viel zu knapp. Als Tisch hätte ich wohl einen gewählt, der sich bei Bedarf an der Wand aufklappen lässt. Und so geht es weiter. Von der Platzierung der Steckdosen über die Fenster bis hin zu der Couch. Das einzige, was ich wohl so gelassen hätte wie es ist, ist das Bad. Das war einfach praktisch eingerichtet, die Schiebetür nimmt kaum Platz weg und der Spiegel schafft ein großes Raumgefühl.

Wie man sieht: Ein sehr individuelles Projekt, das sehr viele Schwierigkeiten und Stolpersteine zu bieten hat (ohne das ich die Transportabilität überhaupt angesprochen habe), für das es aber auch ganz viele Lösungen gibt. Man muss eben nur die richtige für sich finden.

Zum Schluss die alles entscheidende Frage:

Kann ich mir immer noch vorstellen in einem Tiny House zu leben?

Vorstellen kann ich mir das definitiv. Der Gedanke reizt mich, angefangen bei der Planung, über die Herausforderung des Baus, bis hin zum minimalistischen Leben.

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Die richtige Ausrüstung

Wenn man zu Fuß unterwegs ist, dann ist die richtige Ausrüstung umso entscheidender. Nicht nur was man alles einpackt, sondern auch worein man es packt ist wichtig. Welche Schuhe? Welcher Rucksack? Was braucht es nicht unbedingt und was muss sein? Das alles versuche ich hier zu beantworten.

Natürlich ist das ein Thema, das sehr von den Bedürfnissen eines Jeden abhängt. Daher kann ich keinen „richtigen“ Weg vorgeben, sondern nur erzählen wie es mir/ uns so erging und worauf ich nächstes Mal achten würde.

1. Das Schuhwerk

Das wohl entschiedenste beim Reisen zu Fuß sind die Schuhe. Sie tragen einen überall hin. Daher sollte man, sofern vorhanden, gut eingelaufene Wanderschuhe nehmen, von denen man weiß, dass man sich damit keine Blasen läuft. Von Vorteil ist es, wenn die Schuhe dann auch noch wasserdicht sind. Es kann nicht jeder so hart im nehmen sein wie die Jungs und den halben Tag mit durchnässten und kalten Füßen durch die Gegend laufen, ohne sich zu beklagen.

Hat man solche Schuhe nicht oder braucht sowieso neue, dann kann ich nur Lundhags Leather Boots empfehlen. Für mich sind sie die idealen Alleskönner.

Zur Erklärung: Lundhags produziert Lederstiefel in Handfertigung. Diese gibt es in verschiedenen Höhen und Dicken. Besonderheiten gibt es mehrere:

  • Die Schuhe haben keine Fütterung. Sie sind wirklich nur das rohe Leder. Stattdessen werden zwei paar Wollsocken übereinander getragen. So findet die Reibung zwischen den beiden paar Socken statt und man läuft sich keine Blasen. So die Theorie. In der Praxis braucht es eine Weile, bis man die richtige Sockenkombination für sich entdeckt hat und natürlich sollten auch keine Steinchen oder Falten in den Socken sein. Blasenpflaster sind ebenfalls nicht zu empfehlen. Stadtessen sollte man die aufgelaufene Stelle mit Tape abkleben und ggf. mit einem Tupfer oder einer Wundauflage polstern.
  • Bei Kälte oder Wärme kann man die Dicke oder Anzahl der Socken beliebig anpassen. So hat man einen Schuh für jede Witterung.
  • Sie sind zu 100% Wasserdicht! Da es sich um reine Lederschuhe handelt, braucht man sich um durchfeuchtete Schuhe keine Gedanken mehr zu machen. Muss man dennoch durch einen Fluss, dessen Wasserpegel höher ist als die Schuhkante, dann hat das schwedische Militär einen Trick parat: Die Schuhe werden ausgezogen, dann die Socken und zum Schluss kommt noch die Sole raus. Dann wird der Schuh barfuß wieder angezogen und so der Fluss durchquert. Da in dem Schuh selbst ja nichts ist, was Nässe saugen kann, wird dieser auf der anderen Seite nur ausgeleert, alles wieder angezogen und eingebaut und es kann weiter gehen.
  • Zuletzt das, meiner Meinung nach beste:
    Man hat lebenslange Garantie beim Hersteller! Natürlich gilt das nur bei richtiger Pflege und nicht bei den einlagigen Lederstiefeln, denn hier ist das Material irgendwann einfach durch. Aber bei abgebrochenen Ösen oder abgelaufener Sole kann man die Schuhe jederzeit wieder einschicken und bekommt sie repariert zurück. Selbst bei Beschädigungen, bedingt durch falsche Handhabung oder Pflege kümmert sich Lundhags um die Reparatur, aber dann eben auf eigene Kosten. In einer Welt wie unserer, in der das meiste nur noch produziert wird, um es nach wenigen Jahren wegzuwerfen, finde ich das bemerkenswert. Natürlich hat das seinen Preis, aber mein Uhropa hat schon gesagt: „Billige Schuhe kann er sich einfach nicht leisten.“ Und es ist irgendwie auch ein schöner Gedanke einen Schuh fürs Leben zu haben.

Zu Vorwarnung muss man aber noch erwähnen, dass die Lundhags Stiefel am Anfang die unbequemsten Schuhe waren, die ich jemals anhatte. Das liegt daran, dass sich das Leder erst an die Fußform anpassen muss. Man muss also genügend Zeit einplanen um sie einzulaufen, bevor man zu einer großen Tour startet. Dafür hat man dann die bequemsten Schuhe von allen ;-).

Wer sich genauer mit diesem Thema befassen will, der kann mal hier vorbei schauen.

2. Der Rucksack

Das zweitwichtigste ist der Rucksack, den man den ganzen Tag mit sich herumträgt. Es ist einfach wichtig dass der Rucksack optimal passt, ansonsten wird es zur Quälerei.

Das heißt: Wenn man keinen eigenen Rucksack besitzt, dann sollte man sich einen zulegen. Hier ist es am besten den Rucksack im Laden zu kaufen, wo man ihn auch anprobieren, ausprobieren und sich gegebenenfalls fachmännisch beraten lassen kann.

Auch das ist eine Anschaffung fürs Leben, an der man nicht unbedingt sparen sollte, sonst riskiert man furchtbare Rückenschmerzen und noch schlimmere aufgescheuerte Schultern, als man eh schon durch die ungewohnte Belastung bekommt. Natürlich kommt es hier auch immer drauf an, wie hart im nehmen man ist. Aber ich möchte, um ehrlich zu sein, diesen Rucksack tragen, bis er auseinander fällt und dann sollte er auch bequem sein und passen.

Mein Rucksack ist der Fjällräven Kajka 55l

Tatsächlich war das auch der einzige Rucksack im ganzen Laden, der mir gepasst hat. Vorteil: Die vielen Verstellmöglichkeiten. Denn was im Laden und auf der ersten Etappe noch prima gepasst hat, das verändert sich plötzlich durch Scheuerstellen an den Schlüsselbeinen oder bei anderer Gewichtsverteilung und so kann man den Rucksack immer an die jeweilige Tagesform anpassen. Dazu kommen die Reißverschlüsse an der Vorderseite, die es ermöglichen den Rucksack wie einen Koffer zu öffnen. Das macht das Packen deutlich übersichtlicher und man erreicht unten verstaute Dinge auch ohne den Rucksack zuvor ganz ausleeren zu müssen.

3. Die Hose

Überraschenderweise ist die Wanderhose wichtiger als man auf den ersten Blick meint. In erster Linie sollte man (vor allem die Frauen unter uns) beim anprobieren einer neue Hose drauf achten, dass sie nirgends reibt, vor allem aber nicht an den Innenseiten der Oberschenkel.

Für mich angenehmer sind Wanderhosen mit einem hohen Bund und, wenn möglich, ohne Taschen mit Reißverschlüssen, da ich mich so unter dem Hüftgurt des Rucksacks nicht die Hüftknochen blau und wund reibe.

Außerdem zu empfehlen sind Zip-Off-Hosen. So spart man Gepäck und Gewicht, da man ja kurze und lange Hose in einem hat. Beim Wandern ändert sich, zumindest bei mir, das Temperaturempfinden ständig und so kann ich von kurzer zu langer Hose und zurück wechseln, ohne dauernd umpacken zu müssen. Praktisch ist es noch, wenn man das abnehmbare Hosenbein zusätzlich mit einem Reißverschluss an der Seite öffnen kann. So muss man nicht jedes Mal die Schuhe ausziehen.

4. Das Zelt

Wir kamen leider nicht mehr dazu unser Zelt in Nepal zu benutzen, dafür aber dann in Deutschland bei ähnlich kühlen (naja, wohl eher milden) Temperaturen.

Gekauft hatten wir uns das Big Agnes Copper Spur UL2

Und im Vergleich zum Dachzelt birgt so ein Zelt immer einen riesigen Kompromiss. Denn, wenn man es tragen muss, dann sollte es natürlich möglichst leicht sein. Heißt aber unter anderem auch, dass es eher knapp abgemessen ist. Tom, mit seinen fast 1,90m, kann gerade so ausgestreckt darin liegen und berührt dabei unten und oben leicht die Plane. Für mich ist die Länge des Zelts dagegen optimal, ich kann im Fußraum sogar noch einiges an Kleidung platzieren. Die Breite ist okay. Leicht überlappend passen unsere Isomatten nebeneinander und wir gehen uns beim Schlafen nicht mehr auf die Nerven als sonst ;-).

Für mehr Leichtigkeit sind die Zeltwände dementsprechend, nennen wir es mal, filigran. Sie lassen sich gut abspannen und machen einen stabilen Eindruck, aber verglichen mit dem Dachzelt, fühlt man sich eher wie in einem Papierhaus.

Die einzige tatsächliche Schwachstelle, die nicht nur Gefühlsmäßiger Natur ist, sind die Reißverschlüsse. Mit ihnen muss man vorsichtig umspringen, da sie sich sonst schnell in der Zeltplane verhaken.

Die Entlüftung des Zeltes funktioniert so lala, zumindest wenn man in der deutschen Frühjahreskälte neben einem Fluss schläft. Morgens sind die äußeren Zeltwände an der Innenseite nass aufgrund der Kondensation der Atemluft. Bei starkem Regen oder Wind habe ich es leider noch nicht getestet, genauso wenig bei sommerlichen Temperaturen. Ich könnte mir vorstellen, dass das dann kein so großes Problem mehr ist bzw. man kann die äußere Plane auch einfach weglassen.

Praktisch sind die Ausgänge. Da der Platz eh rar gesät ist, ist es umso besser, dass sich auf jeder Seite ein vollwertiger Ausgang befindet. Das ermöglicht, dass man aus und ein gehen kann, wie es einem beliebt, ohne jedes mal über den Anderen klettern zu müssen. Außerdem sind die Aus-/ Eingänge so gestaltet, dass sie, wenn sie abgespannt, sind noch genügend Platz bieten um auch die Rucksäcke einigermaßen regen-sicher zu verstauen, zumindest aber diebstahlsicher, sofern das in einem Zelt möglich ist.

Auch das Aufbauen ist ist erstaunlich intuitiv und geht auch alleine und bei Dunkelheit einfach und schnell. Das gleiche gilt für die Handhabung des Footprint, den man leider bei Nässe benötigt, da der Zeltboden genauso filigran gestaltet ist wie die äußere Plane. (Na gut, es gibt doch zwei Nachteile.)

Ein weiterer riesiger Vorteil ist, dass das Zelt vergleichsweise hoch ist, so dass man sich im sitzen ohne große Probleme umziehen kann und so zumindest etwas Privatsphäre herrscht.

Im Endeffekt ist und bleibt das Zelt aber ein Kompromiss aus Leichtigkeit und Bequemlichkeit, den jeder nach den eigenen Bedürfnissen finden muss.

5. Die Regenjacke

Oder darf es vielleicht doch ein Poncho sein? In meinem Fall ja. Warum?

Ein Poncho ist leichter als jede Regenjacke, die wir zu Hause hatten, er hat ein kleineres Packmaß und ist deutlich billiger in der Anschaffung. Und, auch wenn ich damit aussehe wie ein verlaufener Geist, ich bin mir sicher, dass ich bei Regen die einzige bin, die wirklich trocken bleibt, einschließlich der Hose. Der Poncho wird nämlich über den Rucksack geworfen (der bleibt also auch trocken) und so entstehen keine durchnässten Stellen an den Schultergurten. Zusätzlich reicht er bis übers Knie, was dazu führt, dass selbst beim Bergaufsteigen die Oberschenkel trocken bleiben.

6. Die Stöcke

Ob man Stöcke braucht oder nicht, das ist so eine Frage für sich. Nachdem ich mich mal an das Laufen mit Stöcken gewöhnt habe, möchte ich, für meinen Teil, nicht mehr ohne gehen.

Bergauf nehme ich mit den Armen so circa das Gewicht des Rucksacks weg, was dazu führt, dass meine Oberschenkel deutlich länger durchhalten. Bergab stütze ich mich bei großen Stufen mit fast meinem ganzen Gewicht auf die Stöcke und schone so meine Knie, die gerne mal anfangen weh zu tun. Und falls die Beine doch müde werden und ich ausrutsche, dann kann ich mich mit den Stöcken zusätzlich noch abfangen.

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Reisen zu Fuß

„Ich habe Wandern gehasst.“

Ja, diese Aussage überrascht wahrscheinlich, in Anbetracht der Tatsache, dass ich, zusammen mit meinem Freund Tom, für zwei Monate durch Nepal trecken wollte. Leider sind ja daraus nur etwas mehr als drei Wochen geworden, da wir, aufgrund der Auswirkungen von Corona in Nepal, verfrüht die Heimreise antreten mussten.

Trotzdem habe ich einen ziemlich guten Eindruck vom Reisen zu Fuß gewonnen und ich muss zugeben: Aus dem Hass ist eine echte Hassliebe geworden.

So manch einer frägt sich jetzt sicherlich warum jemand, der nicht gerne Wandert, dann eine Trekking-Reise nach Nepal macht.

Gute Frage! Ich muss meinen Freund schon ziemlich arg lieben, um auf seine Idee, wir könnten mit dem Rucksack nach Nepal reisen und dort durch das Land wandern, einfach ja zu sagen, ohne groß darüber nachzudenken.

Ich habe mich, um ehrlich zu sein, auch so richtig auf dieses Abenteuer gefreut. Die Nervosität kam erst einige Wochen davor. Wobei meine größte Angst war, dass ich körperlich nicht fit genug sein würde (meinen Sport hatte ich seit dem Abi ein wenig schleifen lassen). Im Nachhinein kann ich aber sagen, dass es durchaus möglich war. Vor allem auf der ersten richtigen Etappe und dem Pass hatte ich wirklich zu kämpfen. Aber ich habe festgestellt: Je größer die Herausforderung, desto größer ist auch das Erfolgserlebnis. Der Schmerz vergeht aber der Stolz bleibt und wenn man so an seine Grenzen geht, dann bleibt ein unheimlich positives „Ich kann alles schaffen!“-Gefühl zurück.

Aber warum ist es denn jetzt eine Hass-Liebe?

Meine Gefühle und Eindrücke, dem Reisen zu Fuß gegenüber sind sehr zwiespältig. Das ist vor allem bedingt durch die heikle Situation, in der wir uns am Ende dieser Reise befanden. Dadurch, dass wir zu Fuß unterwegs waren, waren wir natürlich nicht unabhängig und autark. Wir waren auf Unterkunft angewiesen und die Reichweite ist zu Fuß stark begrenzt. Daher waren wir, als wir versuchten nach Kathmandu zu kommen, auf die Hilfe anderer angewiesen, die unsere Situation finanziell ausnutzen. Zum Glück ist alles gut gegangen und wir sind, nach sehr stressigen drei Tagen, sicher in Kathmandu angekommen. Trotzdem bleibt das Gefühl der Hilflosigkeit hängen und ich fühle mich besser, wenn ich selbst ein Fahrzeug zur Verfügung habe, mit dem ich mich unabhängig von der Hilfe anderer, auch über weitere Strecken frei bewegen kann.

Natürlich ist mir klar, dass meine Eindrücke stark geprägt sind von diesen Ereignissen und ich, wenn wir zu einer anderen Zeit oder vielleicht auch an einen anderen Ort gereist wären, wahrscheinlich keinen einzigen Gedanken daran verschwendet hätte. Aber so ist das nun mal mit Ausnahmesituationen, sie bleiben im Gedächtnis hängen.

Nichtsdestotrotz wollen wir die positiven Aspekte nicht vergessen!

Ich hätte nie gedacht, dass ich das sagen würde, aber einer der besten Sachen, auf dieser Reise, war die tägliche körperliche Anstrengung.

Unser Körper ist gemacht für Bewegung und Aktivität. Ich habe mich einfach gut, ausgeglichen und wohl mit mir selbst gefühlt. Es ist schön abends mit müden Beinen ins Bett zu gehen, auch wenn ich jetzt kein so großer Fan vom frühen aufstehen war. Ach ja, und das Essen erreicht einen ganz neuen Genussfaktor 😉

Durch die körperliche Anstrengung wird aber noch etwas viel, zumindest für mich, wertvolleres bedingt. Eine Stunde dauert gefühlt 100 Jahre und ein Tag eine Ewigkeit. Dadurch haben sich drei Wochen Reise angefühlt, als wären wir eigentlich doppelt so lange weg gewesen. Für jemanden wie mich, der normalerweise zwei Wochen braucht, um überhaupt im Urlaub anzukommen und dann Panik bekommt, weil er ja in einer Woche schon wieder vorbei ist, war das eine ganz neue Erfahrung.

Ein weiterer Aspekt, der zwar hin und wieder anstrengend, aber eigentlich durch die Bank weg positiv war und, vor allen Dingen verdammt viel Spaß gemacht hat, war der intensive Kontakt zu anderen. Natürlich haben wir uns in Griechenland und Venedig, als wir mit dem Dachzelt unterwegs waren, auch mit einigen unterhalten. Trotzdem, je weniger autark man unterwegs ist, desto intensiver die Kontakte mit Anderen, sei es mit anderen Reisenden oder den Menschen vor Ort. Wir haben so viele nette Unterhaltungen geführt und neue Spiele gelernt, dass mir Tom, jedes Mal wenn wir Karten spielen, die Regeln wieder neu erklären muss, weil ich sie durcheinanderbringe. Zu vielen anderen Reisenden, die wir auf dem Weg getroffen haben, haben ich auch heute noch Kontakt, aber vor allem zu denjenigen, die sich ebenfalls bemüht haben, irgendwie nach Hause zu kommen. In diesem Fall hatte das Drama um die Heimreise also auch etwas Positives: Es verbindet!

Insofern ist das Reisen zu Fuß vor allen Dingen eine intensive Erfahrung und das in jeder Hinsicht. Egal ob positiv oder negativ, alles bleibt mit solch einer Intensität hängen, dass es in jedem Fall ein Abenteuer wird, das einen prägt.

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5 Dinge die ich gerne vorher gewusst hätte – oder doch nicht?

1. Dass es sooooo kalt wird.

Ja, zugegeben, das war ein bisschen naiv von mir. Natürlich hätte man, mit der richtigen Recherche, problemlos rausfinden können, welche bitterkalten Temperaturen im oberen Teil des Annapurna-Circuit-Trecks herrschen. Aber irgendwie hatte ich da wohl wichtigeres zu tun…

Ich hatte zwar damit gerechnet, dass es nicht gerade warm wird und dass wir eventuell an Schnee vorbeikommen, aber auf -25°C war ich wirklich nicht vorbereitet. Versteht mich nicht falsch, Ausrüstungstechnisch war ich super ausgestattet. Wärmer hätte ich mich nicht einpacken können, aber mental war ich einfach nicht auf sowas eingestellt. Warum das so schlimm ist? Ganz einfach: Ich bin ein Sommermensch. Ich hasse den Winter. Nein, korrigiere, den Winter finde ich ganz ok, solange ich vor dem Ofenfeuer sitzen und Tee trinken kann und mir, vor allen Dingen, nicht kalt ist. Also müsste es besser heißen: Ich hasse die Kälte. Ich bin ein Mensch, den es sehr leicht friert und ich hatte eigentlich gehofft, der deutschen Frühjahreskälte entkommen zu können. Das hat genau für eine Woche geklappt, nämlich die, die wir in Kathmandu verbrachten.

Und ja, um ehrlich zu sein mietze ich nur ein bisschen rum, aber das war einfach etwas, was ich gerne von Vornherein gewusst hätte.

2. Zwischen Dharapani und Jomsom kommt Zelten nicht in Frage

Dieser Punkt geht einher mit dem Vorherigen. Kältebedingt lässt es sich im Frühjahr auf dieser Höhe einfach nicht campen. Das ist an sich nicht tragisch, denn es gibt mehr als genügen schöne Teehouses, in denen es sich billig und einigermaßen bequem schlafen lässt. (Auf jeden Fall bequemer als im Zelt!)

Trotzdem hätte ich das schon ganz gerne vorher gewusst, denn Nils hatte sein Zelt vergessen und wir haben, noch frohen Mutes, in Kathmandu eines für ihn gekauft, natürlich total umsonst. In Chame hat er es wieder verschenkt. Das restliche Campingequipment, das wir dabei hatten, wollten wir aber unbedingt wieder mit nach Hause nehmen, also musste es in mühevoller Arbeit über den Pass getragen werden.

An sich auch nicht tragisch, wenn wir, wie geplant noch einige Wochen weitergewandert wären, nachdem Nils in Jomsom seinen Flieger heimwärts genommen hätte. Denn nach Jomsom waren die Witterungsbedingungen akzeptabel zum Campen. Das Schicksal hatte aber einen anderen Plan und so endete unsere Reise in Muktinath, eine Tagesetappe vor Jomsom, ohne dass wir das Zelt einmal aufgebaut hatten.

3. Wie wunderschön der Weg zwischen Besi Sahar und Dharapani ist

Unser Reiseführer, von Lonely Planet, empfahl uns das erste Stück des Annapurna-Circuit-Trecks auszulassen, da die Wanderwege hier nur auf staubigen Straßen verliefen. Leider vergaß Lonely Planet zu erwähnen, dass das bis Manang der Fall ist.

Viele andere Trekker berichteten uns, dass der erste Teil der Strecke sogar mit Abstand der schönste sei. Die Temperaturen sind noch tropisch sommerlich (was es uns ermöglicht hätte zu Zelten), es gibt mehr Möglichkeiten auf kleine Pfade auszuweichen und so die Staubpiste zu meiden, als später Richtung Manang, es ist nicht so überlaufen und man hat einige ruhige Etappen um sich in Ruhe einzulaufen.

Nächstes Mal dann eben…

4. Mad Honey

Von Mad Honey hörten wir zum ersten Mal in Manang. Ein halluzinogener Honig, der in spektakulären Kletteraktionen mit selbstgebauten Strickleitern geborgen wird. Dieses einmalige Spektakel wollten wir uns nicht entgehen lassen und irgendwie waren wir auch neugierig auf die Wirkung. Ganz sicher, ob wir das wirklich ausprobieren sollten, waren wir noch nicht, denn die Wirkungen können reichen von absolut gar nicht, bis hin zu 48h Halluzinationen, Erbrechen, etc.

Es blieb ja noch Zeit uns das zu überlegen. Erst wollten wir den Pass überqueren und, zusammen mit Nils noch bis nach Jomsom laufen. Danach wollten wir eigentlich alle unsere geschmiedeten Pläne über den Haufen werfen und uns auf die Suche nach diesem Honig machen.

Leider wurde daraus natürlich auch nichts. Hallo Corona. Tschüss Nepal.

Hätten wir vorher von der Existenz des Honigs gewusst, dann hätten wir vielleicht anders geplant. Hätte, Hätte, Fahrradkette…

Dann eben auch nächstes Mal.

5. Meide die Rohkost

Eigentlich sollte das logisch sein. Entweder gekocht, gebraten oder zumindest geschält. Eigentlich sollte man aber in jedem Fall die Rohkost meiden. Man weiß nie, mit welchen Wasser das Gemüse oder Obst gewaschen wurde.

Wie gesagt, sollte logisch sein. Trotzdem aß Tom das, von mir bewusst übriggelassene Gemüse, und musste dafür teuer bezahlen. Deshalb ist es besser, auch wenn es einem unhöflich erscheint, lieber übrig zu lassen, wobei man sich nicht sicher ist.

So, eigentlich wollte ich hier mindestens 10 Punkte aufführen, die ich gerne vor unserem Reiseantritt nach Nepal gewusst hätte.

Es stellt sich aber heraus: So viel gibt es da gar nicht.

Wie Nils ganz richtig gesagt hat: Neue Dinge zu erfahren und dazu zu Lernen ist ja ein entscheidender Bestandteil des Reisens an sich. Würde man alles schon vorher wissen, dann wäre es ja witzlos. Dann müsste man eigentlich gar nicht losfahren.

Und, um ehrlich zu sein, war es auch kein Drama, dass wir uns der oben genannten Dinge nicht bewusst waren. Im Gegenteil: Manchmal ist es auch gut unvorbereitet an Dinge heran zu gehen. Ich wurde in Nepal viel ausgelacht, weil ich „ganz typisch Deutsch“ einen Plan erstellt habe, an welchem Tag wir welche Etappe machen. Derweil kann es auch durchaus schön sein, sich vom Leben überraschen zu lassen und so seine Lektionen zu lernen. Damit meine ich nicht planlos durchs Leben zu irren. Ich rede davon, jeden Tag so zu nehmen wie er kommt und dann das Beste draus zu machen.

PS: Sonnencreme auch benutzen, wenn es kalt ist. Den Jungs war das klar (woher auch immer), ich musste meine Lektion erst bitter lernen.

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… Und dann erreichte Corona auch uns

Das Drama um unsere verfrühte Heimreise in 5 Akten:

Akt 1: Das Ankommen in der Realität

Bei der erstbesten Gelegenheit wechselten wir am nächsten Tag ins Bob Marley. Es war schlicht und einfach das schönere Hotel mit dem besten Essen. Und man konnte mit Visa bezahlen, ein Todschlagargument, nachdem uns das Bargeld knapp wurde. Und es gab Internet. Irgendwann ist der Punkt gekommen an dem man sich der Welt eben stellen muss.

Das erste Problem, dem entgegentrete mussten, erreichte uns aber gar nicht via Handy, sondern vom Hotelchef persönlich. Wir sollen doch mal zum ACAP-Checkpoint gehen und uns informieren, denn ab dem nächsten Tag sollen die Straßen gesperrt sein. Warum genau und wie das aussehen soll und ob wir weiter Wandern können, das wusste er irgendwie selber nicht. Also sind wir guter Dinge zum Checkpoint marschiert, nur um auf ganzer Linie ignoriert zu werden. Der nette Nepalese konnte oder wollte wohl einfach nicht auf unsere Fragen antworten.

Akt 2: Entscheidungen

Nicht viel schlauer als zuvor, musst dann im Hotel eine Entscheidung getroffen werden. Nils Flug von Jomsom nach Kathmandu war gestrichen, was uns nicht so wirklich überraschte. Trotzdem mussten wir überlegen wie es weitergehen soll.

Nils alleine zu lassen, wenn nicht klar ist, ob und wie er überhaupt nach Hause kommt, kam nicht in Frage. Nach einigen Telefonaten mit den Eltern wurde dann folgende, durchaus weise Entscheidung getroffen: Nach Kathmandu durchschlagen, nur um dann in einer großen Stadt festzusitzen, ohne zu wissen wann und wie wir nach Hause kommen sollen, ist eher suboptimal. Daher Wandern wir einfach zu dritt weiter, soweit wie wir eben kommen. Nils Arbeitsstelle hatte eh geschlossen, daher wäre es auch kein Problem, wenn sich seine Rückkehr um ein paar Wochen verzögert. Wir waren frohen Mutes, da die Menschen hier ja vom Tourismus leben und nach uns wohl nicht mehr so viele nachkommen werden. Wie naiv wir doch waren…

Im Laufe des Tages wurde jedoch klar, dass daraus leider wenig wird. Wir erfuhren, dass in Nepal ab dem nächsten Tag ein „lock down“ gilt. Sprich Ausgangssperre. Für unsere Pläne war das natürlich eher hinderlich. Also ein weiteres Telefonat mit Mama und die Pläne wurden geändert. Das Bob Marley ist ja eigentlich auch nicht der schlechterste Platz um eine Ausgangssperre auszusitzen. UND man kann mit Kreditkarte Zahlen. Geld ist also, zumindest theoretisch, auch kein Problem.

Leider war das dann doch nicht so einfach wie gedacht. Natürlich nicht. Wie hätte es denn sein können, dass einmal etwas nach Plan läuft. Wir bekamen nämlich mit, dass gerade ein Townhallmeeting veranstaltet wurde, auf dem man über uns Touris diskutierte. Lapidar gesagt: Man wolle uns einfach nicht mehr dahaben. Alle Hotels sollten geschlossen, keinen neuen Touristen mehr aufgenommen und alle, die schon da waren, weitergeschickt werden. Dass das in der Realität, vor allem für uns nicht so wirklich funktioniert, war spätestens dann offensichtlich, als die ersten Wanderer vom Pass kamen und kein Hotel fanden, dass sie aufnehmen will. Sie sollen doch einfach in den nächsten Ort laufen … nach 11 Stunden Wanderung … wo sie auch niemand haben will. Unser Hotelbesitzer sah das Problem ein und nahm, entgegen des Willens aller anderen Dorfbewohner, die ganzen gestrandeten Trekker auf.

Später wurde uns auch klar, warum passiert, ist was eben passiert ist: Man erzählte uns, die nepalesische Regierung habe mit dem Lockdown verbreitet, alle europäischen Touristen wären mit Corona infiziert und brächten so das Virus ins Land, da ja Europa zu der Zeit der absolute Hotspot war. Das erklärte den Argwohn bzw. manchmal auch die regelrechte Angst vor uns. Die Leute wollten verständlicherweise „das Virus“ einfach aus dem Ort haben und auch wenn das „Abschieben von Problemen an den Nächsten“ vielleicht kein nachhaltiger Weg ist solche zu lösen, es ist immerhin ein Weg.

Der Hotelchef kam zurück und eröffnete uns das Ergebnis: Wir müssen alle morgen von hier verschwinden. Er war mit diesem Ergebnis nicht einverstanden, damit aber offensichtlich in der Minderheit. Daher riet er uns eindringlich zum ACAP-Checkpoint zu gehen und uns, alle gemeinsam, zu beschweren. Entweder sie sollen uns ein Fahrzeug nach Kathmandu organisieren oder uns erlauben hier zu bleiben.

Akt 3: Wohin mit uns?

Gesagt, getan. Das führte zu einer stundenlangen, nervenaufreibenden Diskussion mit den Verantwortlichen aus Muktinath. Am Ende war ich einfach nur noch verzweifelt. Leider führten auch eher die falschen Persönlichkeiten die Diskussion. Manche (eben einer dieser Diskussionsführer) hatten noch nicht verstanden, dass wir hier eben nicht in Europa sind. Wenn das Townhallmeeting entscheidet, dann ist das Gesetz, auch wenn es vielleicht geltendem Recht wiederspricht. Genauso würde uns die Polizei wohl eher wenig helfen. (Dieser Eindruck bestätigte sich zwei Tage später leider.) Zum Glück führte der Hotelbesitzer einen erbitterten Kampf für uns, was dann bei Einbruch der Dunkelheit zu folgendem „Kompromiss“ führte: Wir bekamen zwei Tage Asyl und drei Abgesandte des Ortes fuhren am nächsten Morgen mit Kopien unserer Pässe zur nächstgelegenen höheren Administration, klären das dort endgültig und finden eine Lösung zusammen mit unseren Botschaften.

Das war zwar nicht ganz das, was wir wollten, aber für den Tag ein akzeptables Ergebnis. Aber mit diesem Ergebnis stand auch unsere nächste Entscheidung fest: Wir versuchen irgendwie nach Kathmandu zu kommen. Uns allen ist unwohl bei dem Gedanken, an einem Ort zu bleiben, an dem wir nicht willkommen sind. Außerdem wäre es Geldverschwendung für, was weiß ich wie viele Wochen, in einem Hotel zu sitzen. Dieses Geld wollten wir uns lieber für diverse geplante Reisen im Sommer aufsparen. Ja, wir waren wirklich naiv.

Zu diesem Zeitpunkt wussten wir schon, dass Frankreich Rückholflüge für Touristen organisiert und auch andere europäische Staatsbürger mitnimmt. Die deutsche Botschaft versprach uns auch, dass in naher Zukunft ebenfalls Flüge von der Bundesregierung organisiert werden. So einen wollten wir versuche zu bekommen, auch wenn noch keine Daten feststanden.

An dieser Stelle möchte ich noch mein Lob an die deutsche Botschaft in Kathmandu aussprechen. Wir haben uns wirklich gut aufgehoben gefühlt, immer jemanden erreicht, der uns mit Rat zur Seite stand und auf jede E-Mail in rekordverdächtiger Zeit eine Antwort bekommen. Vielen, vielen Dank!

Es hätte nämlich auch anders kommen können: Unsere niederländischen Freunde bekamen zum Beispiel nur die Antwort „Now is the time to be creative.“, aber organisiert wurde nichts. Die amerikanischen Staatsbürger mussten sich darauf einstellen „auf unbestimmte Zeit im Ausland zu verharren.“

Ich glaube es kann sich niemand vorstellen, wie nervlich am Ende ich nach diesem Tag war. Ich glaube, so oft habe ich noch nie, innerhalb eines Tages, getroffene Entscheidungen über den Haufen geworfen.

Der nächste Morgen wurde nicht viel besser. Als der Hotelbesitzer kam um die Kopien unserer Pässe einzusammeln, bzw. die Pässe selbst um Kopien anzufertigen, kam zur Sprache, ob es uns denn etwas ausmachen würde, wenn wir in einem Shelter bleiben müssten, falls die Ausgangssperre länger als zwei Wochen dauert. Auf die Nachfrage, wie dieses Shelter denn aussehen würde, ob es Decken, Trinkwasser, Feuerholz und Essen gibt kam nur ein Schulterzucken und ein: „Das müssen die dann schon organisieren.“ Da war der Punkt, an dem mir klar war, wir hatten die richtige Entscheidung getroffen und ich trauerte ihr nicht mehr nach.

Also trugen wir uns in die ELEFAND-Liste und das RÜCKHOPROGRAMM ein. Im Laufe des Vormittags kam dann auch eine Mail der deutschen Botschaft, dass innerhalb der nächsten 24h Flüge organisiert werden würden. Gute Nachrichten. Jetzt ist nur die Frage wie wir nach Kathmandu kommen.

Notfallplan war, nach Jomsom zu laufen, trotz Verbot. Von dort hätten wir versucht irgendeinen Transport zu organisieren. Aber die Rückkehr des Hotelchefs wollten wir doch noch abwarten.

Also schlugen wir auf der Terrasse hinter dem Haus (vorne durften wir nicht sitzen, um den Anschein zu erwecken, dass das Hotel geschlossen ist) die Zeit tot. Und wie könnte das besser gehen, als mit Kartenspielen und Essen.

Als der Hotelchef zurückkahm gab es Entwarnung. Wir dürfen bleiben, auch über die Ausgangssperre hinweg, oder einfach unbehelligt weiter Wandern bis zur Grenze des Distrikts, was ungefähr drei Tagestouren entspräche. Da wir nicht absehen konnten wie es danach weitergehen würde und ich schon lange aufgehört hatte zu glauben, dass es sicherlich nicht mehr schlimmer wird, änderte das nichts an unserer Entscheidung.

Wie der Zufall so will, setzte die Botschaft an diesem Nachmittag auch die Termine der Flüge fest. Einer sollte in zwei und einer in drei Tagen gehen. Einen dritten soll es geben, dafür gab es aber noch keinen Termin. Wir werden benachrichtigt für welchen Flug wir eingeteilt werden.

Am selben Abend kamen drei Nepalesen ins Bob Marley: Sie wollen einen Bus nach Kathmandu organisieren und sammeln Unterschriften, wer dieses Angebot in Anspruch nehmen würde. Wir waren dabei. Das kam wie gerufen. Preis: 2500 NPR. Wann der Bus kommt? Keine Ahnung. Ob er überhaupt zustande kommt? Ebenfalls keine Ahnung. Der Hotelbesitzer gebe uns dann schon rechtzeitig bescheid.

Was am nächsten Morgen um 7:00 Uhr in der Früh auch der Fall war. Gut, dass wir vorsichtshalber schon alles gepackt hatten. Um 8:00 Uhr sollte der Bus da sein. Natürlich wurde es 9:00 Uhr. Das war auch ganz gut, denn das EC-Gerät funktionierte ausgerechnet heute nicht und so mussten wir bei verschiedenen Personen, noch verbliebene Euros in Rupien umtauschen und Dollar leihen. Zum Glück ist sowas, dank Online-Banking, schnell wieder beglichen ist.

Akt 4: Die Busfahrt

Die Organisation des Buses war das reinste Chaos und da irgendwie zu wenig Plätze verfügbar waren, für die vielen Touristen, die nach Kathmandu wollen, wurde kurzerhand ein zweiter organisiert.

Nach einigem Verhandeln war dann auch abgeklärt, dass diejenigen, die in Pokhara noch Gepäck gelagert haben, dieses abholen können. Doch dann wurde auf einmal klar, dass es irgendwie Differenzen bei der Preisvorstellung gab, denn plötzlich wollten die Fahrer 4200 NPR pro Person. Nur so als Vergleich: Eine solche Fahrt hätte regulär 1000 bis 1500 NPR gekostet. Wir wussten auch, dass die, die am Vortag mit dem Bus von Jomsom nach Kathmandu gefahren sind ebenfalls 2500 NPR bezahlt hatten und fühlten uns dementsprechend nicht ganz fair behandelt, in unserer Notsituation ausgenutzt und, vor allem, übers Ohr gehauen. Kurzerhand beschied der Busfahrer, dass das in Jomsom zu klären sei und machte sich, mit uns, die wir schon im Bus saßen, mal auf den Weg.

In Jomsom wurde die Sache natürlich nicht besser. Zuerst kam das Argument, die 1700 NPR Preisdifferent entstünde durch den zusätzlichen Weg zwischen Muktinath und Jomsom. Ja, ja. Darauf folgte eine weitere stundenlange Debatte, bei der die Tourist-Police eher mit abkassierte anstatt anderweitig hilfreich zu sein und für Fairness zu Sorgen. Trotzdem wollten wir nicht aufgeben, denn in unserem Bus saßen auch Leute, die seit mehreren Jahren unterwegs sind und für die das kein kleiner Betrag ist, den man mal schnell aus dem Ärmel schüttelt. Außerdem: Was ist mit denen nach uns? Wie viel müssen die Zahlen?

Irgendwann mussten wir uns doch geschlagen geben. Wir sind weiß, besitzen eine Kreditkarte und in Jomsom gibt es einen ATM. Damit war die Frage geklärt ob wir zahlen konnten. Wie gedeckt die Kreditkarte ist, steht gar nicht zur Debatte. Und zu der Frage ob wir zahlen wollten: Ja, wollten wir… Denn die Alternative wäre eine 900$ Jeepfahrt gewesen. So ein Wucher! Aber diese Gruppe von Männern hat mit unsem kleinem Haufen Touris immerhin das Geschäft ihres Lebens gemacht und sich so ihren Lebensunterhatl über Krise und wahrscheinlich auch weit darüber hinaus gesichert.

Die Fahrt selber war der Horror! Stellt euch vor, ein uralter Bus fährt, in einem Höllentempo, eine Offroadpiste nach unten, immer haarscharf zwischen Felswand und Abgrund. Jap, das trifft es für die ersten 10 Stunden ziemlich genau. Wir hielten in den 26 Stunden Busfahrt genau drei Mal. Nein, eigentlich hielten wir weitaus öfter, der Busfahrer ließ uns aber nicht aussteigen, denn er war ein Arsch. Anders lässt sich das einfach nicht ausdrücken. Das erste Mal durften wir Aussteigen, gegen Abend, um eine Portion Dhal Bhat zu essen, übrigens die einzige Mahlzeit zu der wir kamen. Das zweite Mal, gegen Mitternacht in Pokhara, aber auch das erst nach einer weiteren langen Diskussion, denn der Fahrer wollte sein Versprechen nicht halten und einfach durch Pokhara durchfahren, anstatt die Gepäckstücke einzusammeln. Das dritte Mal gegen Morgen, als der Busfahrer mal für zwei Stunden schlief (erschreckend wenig für 26 Stunden Busfahrt). Erst gegen Vormittag kamen wir endlich, total erschöpft, in Kathmandu an. Dazwischen ereigneten sich noch einige Vorfälle die meine Sympathie für den Fahrer nicht gerade steigerte. Auf die gehe ich aber jetzt nicht näher ein, denn dann könnte ich meinem Ärger auch noch über 10 weitere Seiten Luft machen. Ich schätze rücksichtslose Idioten und gemeine Arschlöcher gibt es einfach überall auf der Welt.

Immerhin hatten wir tolles Panorama vom Busfenster aus. Aber uns vor Augen zu führen, was wir noch alles hätten sehen können, hat den Herzschmerz nur noch verstärkt.

Akt 5: Endlich wieder zu Hause

Wieder in Thamel angekommen durften wir, nachdem alle Verabschiedet wurden, zum Glück wieder in das gleiche Hotel wie zu Beginn der Reise, nämlich das Kathmandu Garden House. Wir wurden überaus freundlich empfangen und mit reichlich Essen versorgt, das wir auch mehr als bitter nötig hatten.

Kathmandu menschenleer… wenn die Luft so sauber ist, dann könnte es mir fast richtig gefallen.

Gegen Nachmittag erreichte uns auch eine E-Mail: Wir sind bei dem zweiten Flug, gleich am nächsten Tag mit dabei! Wir haben vielleicht Glück im Unglück!

Treffpunkt: 6:00 Uhr am Garden of Dreams, von wo aus wir mit Bussen zum Flughafen gefahren wurden. Dort lief alles Reibungslos (abgesehen von der Tatsache, dass Tom sein Handy in besagtem Bus vergaß. Der drehte aber zum Glück nur eine Runde und tauchte 20 Minuten später wieder auf, zusammen mit dem Handy.) Wir unterschrieben ein Dokument, mit dem wir die Bezahlung des Fluges im Nachhinein zusicherten. Es solle sich Preislich an einem „normalen Economyclass-Flug“ orientieren, was ja so ziemlich alles heißen kann. Bis heute ist noch keine Rechnung gekommen.

Über mehrere Stunden flogen wir in den Sonnenuntergang hinein.

Qatar-Air ist wirklich edel, das muss man schon sagen (zumindest, wenn man vorher mit Air-India geflogen ist). Auch beim Umsteigen, sowie im Frankfurter Flughafen lief alles Reibungslos. Wir erwischten sogar spät abends noch einen ICE bis nach Augsburg, und das fast ohne Wartezeit. So kamen wir dann ziemlich unspektakulär und vor allem todmüde nach fast einer Woche Stress und mehr als drei Tagen Heimreise endlich zu Hause an.

Auch wenn es mir um unsere Traumreise leidtut, ich bin trotzdem froh jetzt zu Hause zu sein.

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Annapurna-Circuit-Treck Tag 9: Der Thorong La Pass

Der Thorong La Pass in 28 352 Schritten.

Wir haben kurz mit dem Gedanken gespielt, noch eine weitere Nacht im High Camp zu verbringen. Das läge knapp 500 m über Thorong Phedi, wäre damit im akzeptablem Rahmen für einen Tagesaufstieg und würde die Etappe über den Pass deutlich verkürzen. Nach eindringlicher Beratung von allen Seiten wurde diese Idee aber gleich wieder verworfen. Da oben ist es kalt, ungemütlich, man schläft schlecht wegen der Höhe, hat Kopfschmerzen aus demselben Grund und es ist auch in einem Tag zu schaffen. Na gut, also dann los!

Der Wecker klingelte um 4:30 Uhr. Gut geschlafen hatte ich eh nicht. Wir versuchten uns schnell abmarschbereit zu machen, aber das Vorhaben war schon von Vornherein zum Scheitern verurteilt, ich war ja dabei…

Dann Frühstück und um 5:30 marschierten wir los, noch im Dunklen mit Stirnlampe. Zugegeben, ganz ungefährlich war das nicht, denn der Boden des Trampelpfades, der sich in Serpentinen den Hang nach oben schlängelt, war ziemlich vereist. Es ging aber trotzdem auch ohne Steigeisen gut. Die Geschwindigkeit wird eh begrenzt durch die Höhe und das dadurch bedingte Fehlen von Sauerstoff. OK, na gut, und auch durch die eigene körperliche Leistungsfähigkeit. Die Jungs waren nämlich um einiges schneller als ich und ich dementsprechend irgendwann ganz schön angepisst darüber, alleine gelassen zu werden … An diese Stelle nochmal Sorry Nils und Tom …

Wir brauchten, zumindest gefühlt, gar nicht so lange bis zum High Camp (4880m), nämlich ca. 1,5 Stunden und beschlossen eine Teepause zu machen, denn wir waren ganz durchgefroren. Zwar hatten wir warme Winterausrüstung dabei, für -25°C und Wind waren wir aber nicht ausgerüstet. Um ehrlich zu sein, hatten wir auch nicht mit einer Polarexpedition gerechnet. Nach dem Tee war uns dann auch klar warum eine Nacht hier oben wirklich nicht empfehlenswert ist…

Spoiler: Die Temperaturen werden nicht angenehmer.

Das erste Stück nach dem Base Camp ging noch. Die Aussicht war grandios und der Weg OK. Es lag ziemlich viel Schnee aber der Weg war „vorgetrampelt“, so dass man nicht bis zum Knie darin versank.

Nach der Brücke verlief der Weg ziemlich ungünstig im Wind und parallel zur Temperatur sanken auch meine Kräfte. Ich dachte erst, ich wäre einfach nicht fit genug und hätte deshalb solche Probleme mit dem Vorankommen. Doch auf dem Abstieg, den ich noch überraschend gut meistern konnte, wurde mir dann klar, dass es die Kälte war, die mir solche Probleme bereitet hatte. Der beste Vergleich, der mir einfällt, ist das Schwimmen in wirklich kaltem Wasser: Nach erschreckend kurzer Zeit fängt die Kälte an, dem Körper die Energie zu entziehen und die Arme und Beine werden so müde, dass man sich fast nicht mehr über Wasser halten kann. Genau das gleiche ist mir auf dem Pass passiert. Nur, dass ich das zu diesem Zeitpunkt leider noch nicht wusste.

Irgendwann nach besagter Brücke kommt man an ein kleines Haus, in dem man früher wohl übernachten konnte. Ich frage mich wer das wohl wollen würde. Ich jedenfalls nicht. Ich wollte nur noch runter. Hier hatte ich den Punkt erreicht, wo ich einfach nicht mehr konnte. Tom versuchte mir ständig meinen Rucksack abzunehmen oder mir seine Jacke anzudrehen, aber ich wollte es ohne Hilfe schaffen. So lange ich noch genügend Kraft für einen kleinen Ego-Trip hab, wird es wohl nicht so schlimm sein, also kämpfte ich mich (mit Toms Handschuhen) weiter voran.

Ab hier begann erst die wahre Tortur: Ich konnte nicht mehr als zwei Schritte auf einmal machen und hatte das Gefühl gar nicht mehr voran zu kommen. Dazu kam die eisige Kälte die durch jede Jackenspalte und in die Handschuhe kroch. Und die natürliche Beschaffenheit des Passes, für die er auch bekannt ist (was wir leider erst im Nachhinein erfuhren):

Am Horizont, für mich gefühlt unerreichbar, war eine Kuppe zu sehen. Hoffnungsfroh wie ich war dachte ich mir: „Das ist es, das muss der Pass sein, danach geht es nur noch bergab.“ Also wurden die letzten Reste und Kraftreserven mobilisiert und irgendwie, ich kann mir nicht erklären wie ich das geschafft habe, erreichte ich die Kuppe. Danach ging es auch bergab, ja. Aber nur so lange, bis es auf die nächste Kuppe wieder nach oben ging. Dieses Spiel von vager Hoffnung, Zähne zusammenbeißen, verzweifeltes Voranschieben, Freude und dann, ganz plötzlich und aus dem Hinterhalt, Niedergeschlagenheit, Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit wiederholte sich mehrmals. Um ehrlich zu sein kann ich gar nicht mehr sagen wie viele solcher Hügel es zu bezwingen gab, es waren in jedem Fall zu viele!

Irgendwann war ich so weit, dass ich dachte ich muss unbedingt weitergehen, weil, wenn ich jetzt stehen bleibe, dann knicken meine Beine einfach unter mir weg und ich bleibe im Schnee liegen und sterbe da. Das war der Punkt, an dem ich Toms Jacke dann doch angenommen habe (und nach Nils freundlichem Hinweis ich solle vernünftig sein).

Irgendwann waren Fahnen am Horizont zu sehen, aber ich wagte noch nicht zu glauben, dass das wirklich endlich der höchste Punkt sein soll. Ich hatte im wahrsten Sinne des Wortes schon alle Hoffnungen über Bord geworfen. Um ehrlich zu sein dachte ich auch, dass ich es nicht bis zu den Fahnen schaffen werde, aber iregndwie ging es dann doch. Und es war tatsächlich der „Gipfel“. Mit Schild und Fahnen und Teehouse und Aussicht und allem Drum und Dran. So viele Irrtümer an diesem Tag…

Wirklich genießen konnten wir die Zeit da oben leider nicht. Dazu war es viel zu kalt. Natürlich wurden Fotos gemacht und kurz die Aussicht in beide Richtungen betrachtet, aber danach waren wir uns alle einig, dass es jetzt reicht und wir nur noch schnellst möglich bergab wollen.

Panoramaaaa

Es konnte uns gar nicht schnell genug gehen und so rannten wir im wahrsten Sinne des Wortes einfach bergab. Na gut, manchmal rutschten, vor allem der männliche Teil unserer Truppe, auch ganz einfach auf dem Po talwärts. So kamen wir gut voran, bis es warm genug wurde, dass der Schnee langsam taute. Ab da war es einfach nur noch eine Quälerei. Tom warf alles über den Haufen und schob sich auf seinem Po mit einer Plastiktüte voran und Nils war so erschöpf, dass ihm alle paar Schritte einfach die Beine wegrutschten und er wieder einige Minuten einfach nur im Schnee/Matsch saß, bis genügend Motivation aufgebracht war, um wieder aufzustehen. Ich hatte noch überraschen viel kraft, nämlich genug um meinen Gleichgewichtssinn am Laufen zu halten. Und so tastete ich mich in kleinen, vorsichtigen Schritten voran und schaffte es ohne hinzufallen.

Das Drama schien kein Ende zu nehmen. Das einzige Erfolgserlebnis war, dass wir Muktinath (3760m) in der Ferne sehen konnten, hierbei war aber das entscheidende, dass es näherkam. Kurz vor dem Erschöpfungszusammenbruch, so schien es mir zumindest, erreichten wir die ersten Ausläufer der „Zivilisation“. Konkret: Eine Reihe von Restaurants.

Die gute Nachricht war also: ES GAB ESSEN!

Die Schlechte: Es war noch über eine Stunde bis Muktinath.

Wir verschlangen, was es zu verschlingen gab und schleppten und notgedrungen weiter. Das letzte Stück war aber keineswegs das schlimmste. Der Weg war schön zu gehen, die Sonne warm und Muktinath kam endlich merklich näher. Noch eine Brück, vorbei an lustigen Schafherden, ein Blick zurück um zu bewundern wo wir herkamen und ab durch das Stadttor, wo wir auch gleich die ersten bekannten Gesichter trafen.

Im Hotel Bob Marley, in dem wir uns eigentlich alle treffen wollten, war leider kein Zimmer mehr frei, also nahmen wir einfach ein Zimmer im Hotel daneben. Nach über 11 Stunden Wanderung endlich in einem Bett zu liegen ist besser als jeder andere Luxus der Welt, und wenn es auch noch so hart und unbequem ist. Die heiße Dusche und das überaus göttliche Abendessen, das wir im Bob Marley bestellten, taten das Übrige.

Und somit kann ich sagen: Ich bin stolz die größte körperliche Herausforderung gemeistert zu haben, die sich mir bisher gestellt hat (und ein wenig Schuldbewusst, wegen dem Drama, das ich veranstaltet habe. Aber sowas passiert halt hin und wieder wenn zwei Sturköpfe von beiden Seiten an der gleichen Stelle mit dem Kopf durch die Wand wollen. Also bin ich vor allem Stolz.)

Zum Schluss möchte ich noch etwas erwähnen: Ich möchte hiermit keine Horrorgeschichte erzählen und Angst vor dem Pass machen. Im Gegenteil. Ich möchte von einer Erfahrung berichten, die für mich ein sehr extremes Erlebnis war und wie ich diese Herausforderung gemeistert habe. Ich habe es geschafft und jeder der genügen Willenskraft (und Training) hat kann das ebenfalls. Die Schwierigkeiten die wir hatten, ergaben sich aus den extremen Witterungsverhältnissen Ende März. Zu einer anderen Jahreszeit, oder sogar einfach nur an einem anderen Tag, kann die Sache gleich wieder ganz anders aussehen. Andere Trekker, die den Pass einen Tag später begangen haben, haben Dinge erlebt, die nicht gegensätzlicher sein können. Was ich damit sagen will ist: Strahlender Sonnenschein und Windstille sind genauso möglich wie eine Sperrung des Passes aufgrund von Schneefall und vielleicht ist einem das Glück gegeben, dass man in Ruhe einen Tee trinken und in der Sonne die Aussicht genießen kann. Solange man genügend Zeit mitbringt, kann man immer noch eine weitere Nacht in Thorung Phedi verbringen und auf das perfekte Wetter warten. Aber auch nicht ganz perfektes Wetter bringt einen nicht um, solange man auf seinen eigenen Körper hört.

Nein, wir haben sicherlich keinen weiteren Gipfel mehr erklommen. Zwischendrin ist wohl ein kleiner GPS-Fehler passiert. Desshalb stimmen die Daten nicht so ganz, aber ich denke, die entscheidenden Punke werden klar.

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Annapurna-Circuit-Treck Tag 7 und 8

In 13 575 Schritten von Yak Kharka nach Thorung Phedi.

Die nächste kurze Etappe und damit der nächste, etwas kürzere Beitrag … oder auch nicht, denn natürlich lief mal wieder nicht alles nach Plan. Aber wann tut es das schon?

Als wir morgens aufstanden, selbstverständlich schön früh, falls wir doch loslaufen sollten, tat es das natürlich nicht. Daraus wurde nämlich nichts, denn Nils hatte immer noch Kopfschmerzen und wollte lieber nichts riskieren. Ganz nach dem Motto „Better save than sorry.“ Also fielen wir nach dem Frühstück direkt wieder um ins Bett. Ich schlief sofort wie ein Stein, aber Nils war irgendwie rastlos und beschloss einen Spaziergang nach Letdar (4220m), dem nächsthöheren Ort zu machen, um auszutesten ob wir nicht evtl. doch weiterkönnen bzw. um dem Akklimatisierungsprozess ein wenig unter die Arme zu greifen. Alles schön und gut. Ich genoss meinen Schlaf.

Inzwischen wissen wir, warum Yak Kharka so heißt, wie es heißt.

Um 11 Uhr stürmte ein gut gelaunter Nils wieder ins Zimmer: Er war in Letdar, die Kopfschmerzen hatten sich gegeben und ihm ginge es super, wir können also doch bis Thorung Phedi (4520m) laufen, oder zumindest bis Letdar, das könnten wir ja ganz spontan machen. Damit hauten mich die Jungs aus dem Bett und scheuchten mich zum Packen. In Windeseile (nach fast einer Stunde) war ich dann auch abmarschbereit.

Wir beschlossen (nicht ganz einstimmig) erst in Letdar Mittag zu Essen. Laut Nils ist es gaaar nicht so weit. Er war ja vorhin auch ohne Rucksack unterwegs gewesen… Jedenfalls verhungerte ich fast auf dem Weg. Dafür war das Mittagessen dann umso besser. Wir aßen, wenn ich mich richtig erinnere, im letzten Restaurant des langgezogenen Ortes (ja, die Jungs haben wirklich eine kleine sadistische Ader). Es gab einen Essensraum mit einer großen Glasfront, durch die einem die Sonne auf den Rücken schien und ein göttliches Egg-Curry mit Reis.

Frisch gestärkt kamen wir trotzdem nur langsam voran und es wurde immer mühsamer. Nils und ich (ok, ich sehe es ein, vor allem ich) mussten, ganz besonders an den steileren Stellen, alle paar Meter eine Verschnaufpause einlegen, während Tom mit strammen Schritten voranmarschierte. Wirklich frustrierend. Und ich dachte ich wäre fit…

Wir hangelten uns von Wegpunkt zu Wegpunkt, steckten uns immer neue Ziele, die uns einigermaßen erreichbar schienen. Nicht mehr das Ankommen zählte, sondern jeder kleine Fortschritt. Als wir endlich die Brücke auf der Hälfte des Weges erreichten, war es schon ziemlich spät nachmittags und die Motivation sank parallel zur Temperatur.

Es war eisig.

Nächstes Ziel: Ein Teehouse. Von hier aus konnte man Thorung Phedi schon erahnen, aber es schien trotzdem unerreichbar. Dieses letzte Stück war das härteste meines Lebens (zumindest bis zu diesem Zeitpunkt) und als ich an den Stufen vor Thorung Phedi ankam, hätte ich mich beinahe einfach in den Schnee gesetzt und wäre dageblieben. Hätte der Tom, der schon lange vor Nils und mir angekommen war, mir nicht den Rucksack abgenommen wären diese 10 Stufen ein unüberwindbares Hindernis geblieben.

Ganz ungefährlich war dieses Stück der Etappe aber auch nicht. Der Pfad führte durch, zum Teil ungesicherte Erdrutschstellen. Zu lange sollte man sich da nicht aufhalten. Eine andere Trekkerin ist hier von einem Yak „mit einem Stein beworfen worden“. Das brachte ihr eine hübsche Platzwunde an der Stirn bei, die hier oben natürlich niemand nähen konnte. Dafür hat sie jetzt zumindest eine tolle Geschichte zu der Narbe die das mitten auf der Stirn geben wird. Sie sieht es mit Humor.

Zum Glück waren die Stufen dann doch nicht so unüberwindbar wie ich zuerst dachte. Irgendwie schaffte ich es dann doch in den Gemeinschaftsraum/ Speisesaal/ Dereinzigewarmeraum der Thorung Base Camp Lodge. Die Anstrengungen des Tages waren mit einem warmen Schokogebäck schnell wieder vergessen. Marsriegel waren ja leider Tabu … woran mich der Tom jedes Mal mit (Schaden)Freude erinnerte, sobald mein Blick wieder zum Schokoriegelregal wanderte. Aber wenn man schon nachgibt, dann wenigstens seinen eigenen Prinzipien. Dementsprechend hielt ich meinem Schokoladenheißhunger noch ein paar Tage länger stand.

Wem ich aber nicht standhalten konnte, das war mein eigener Appetit. Also gab es die besten Spaghetti mit Tomatensauce und Pizza, die ich jemals gegessen habe, zum Abendessen. Nicht gerade das regionalste, ich weiß, aber so stark war mein Wille nach so einem Tag auch wieder nicht.

Inzwischen kannten wir fast alle Gäste vorn irgendeinem Punk auf dem Weg und die, die wir noch nicht kannten, lernten wir spätestens hier kennen. Den ganzen Abend wurde Geredet, Karten gespielt, Gegessen, Gelacht und gemütlich um den warmen Ofen gesessen, über Drogen philosophiert während auf dem Ofen Tetris mit Schuhen gespielt wurde. Überraschenderweise schmorte dabei nicht mal eine Sole an.

Thorung Base Camp Lodge

Dazugelernt hatten wir auch: Wir gingen gleich ohne die Ambition ins Bett, morgen früh aufzustehen um den Pass evtl. zu versuchen. Stattdessen gönnten wir uns einen Tag Pause und schliefen aus. Auch wenn es mich in den Fingern, na gut, eher in den Zehen juckte. Ich wollte endlich den blöden Pass und damit die schwerste Etappe dieser Reise hinter mir haben. Dieses ständige hinarbeiten auf ein augenscheinlich unmögliches (oder zumindest sehr anstrengendes) Ziel macht mich ganz wahnsinnig.

Den nächsten Tag verbrachten wir im Paradies: Noch mehr Tee, Pizza und Schokoladengebäck, dazu Kartenspiele mit lautstarken Beleidigungen (Tom zählt immer die Karten mit, ganz zur Freude von allen Anderen, deren Gehirn auf 4500 m nicht mehr ganz so funktionstüchtig ist). Der Lodgebesitzer jammte leise mit einem anderen Musiker, ich konnte mein Buch in Ruhe lesen und die Sonne schien mir durch die Glasscheibe auf den Rücken.

Das Internet funktionierte auch nicht, damit blieb das Chaos, in dem die ganze Restliche Welt zu der Zeit versank, ganz weit weg von uns…

Was gibt es schöneres?

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Annapurna-Circuit-Treck Tag 6

In 16 751 Schritten von Manang nach Yak Kharka.

Dieser Artikel wird genauso kurz wie diese Etappe. Wir waren aber nicht einfach nur faul. Ne, ne, das war durchdacht. Yak Kharka liegt ziemlich genau 500 Höhenmeter über Manang, so bleiben wir innerhalb der 500 Höhenmeter-Grenze. Bis Thorung Phedi sind es so oder so zwei Tagesetappen. Und, zugegeben, mittags sein Ziel schon zu erreichen ist wirklich ein verdammt tolles Gefühl. Aber ich will ja nicht zu viel vorwegnehmen.

Morgens haben wir uns bewusst etwas Zeit gelassen, die Tagesetappe war kurz und, falls es inzwischen noch nicht bemerkt wurde, wir sind schlicht und einfach faule Langschläfer. Technisch gesehen sind wir ja auch noch Teenager, wir dürfen das. Die Rechnung war saftig, aber wen wundert es? Mich nicht (hehe).

Blick auf Manang

Ab Manang (3540m)führt ein reiner Wanderweg weiter nach oben. Nichts ist mit Piste und Jeep. Das macht das Wandern um einiges schöner. Der Bonus wird aber gleich wieder durch den Malus „Höhe“ ausgeglichen. Auch wenn wir vorher schon höher waren als Manang liegt, hatte ich das Gefühl Manang ist der magische Punkt ab dem die Höhe wirklich anfängt einem zu Schaffen zu machen. Man (in dem Fall konkret eher ich) kommt nur langsam voran und die kleinste Steigung fühlt sich so unüberwindbar an, wie der Everest.

Wenn ich irgendwelche Dokus über Bergsteiger gesehen habe, dann habe ich mich immer gewundert, warum die denn gar so langsam gehen. Natürlich war mir klar, dass da oben die Luft dünn und die ganze Sache anstrengend ist und so. Wie beschissen und wie krass der Einfluss der dünneren Luft ist, wurde mir erst jetzt klar. Ich hab mich tatsächlich gefühlt wie die sich abmühende Seekuh, die ich ja meinem Namen nach bin, nur dass irgend ein Arsch mich im Himalaya ausgesetzt hat…

So viel zu den Gedanken, die mir in Dauerschleife immer wieder durch den Kopf gegangen sind.

Gunsang

Aber langsam und stetig kommt man auch voran. Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen. Und genauso mühsam kommt man auch bis Gunsang (3920m). Das ist der perfekte Ort für eine Teepause. Auf einer der vielen Dachterrassen kann man sich niederlassen und die traumhafte Aussicht in die eine Richtung genießen und in der anderen Richtung den Pferdegespannen zuschauen, wie sie die Vorräte über den Wanderpfad in die höhergelegenen Dörfer bringen. Noch viel beeindruckender sind jedoch die nepalesischen Träger, die mit ausladenden Schritten den Pfad, fast schon nach oben rennen, während man selber noch im Kopf hat, wie man sich die letzten zwei Stunden abgemüht hat.

Nach einer ausgiebigen Teepause in der strahlenden Sonne sieht dann alles gleich viel besser aus, vor allem, wenn man schon die Hälfte des Weges hinter sich gebracht hat, genauso wie den Großteil der zu bezwingenden Höhenmeter. Denn, abgesehen von kleineren Auf und Abs und einem kurzen Anstieg vor Yak Kharka, verläuft die zweite Hälfte des Weges fast eben.

Ganz so easy war es dann leider doch nicht, denn der schmelzende Schnee auf dem schmalen, festgetrampelten Pfad, verwandelte das letze Stück in eine reine Rutschpartie. Und wo kein Schnee lag, da versinkt man regelrecht im Schlamm.

Aber man findet ja schließlich immer was zum Jammern. Wirklich dramatisch war es im Endeffekt doch nicht. Es war sogar eine richtige Wohltat schon zum Mittagessen sein Ziel zu erreichen.

Wir ließen und im Gangapurna View Hotel, ganz am Anfang von Yak Kharka (4020m) nieder. Hauptsächlich aus dem Grund, dass dort alle Leute saßen, die wir schon vom Weg oder aus Manang kannten, aber das machte die Entscheidung nur besser. Auf der linken Straßenseite waren die Zimmer mit den Betten, auf der rechten Seite das Restaurant mit einer Trinkwasserstation und auf dem Innenhof in der Mitte saßen wir in der Sonne, verschlangen unser Mittagessen und unterhielten uns mit allen durcheinander. Diese zwei Stunden gehören zu meinen schönsten Erinnerungen von dieser Reise.

Als es abends abkühlte, verlagerten alle nach drinnen zum Ofen, die Jungs ließen sich neue Kartenspiele erklären und ich genoss die Atmosphäre in dem gerammelt vollen Raum mit einem Buch.

Die einzige Sorge die wir hatten, waren Nils Kopfschmerzen, die im Laufe des Tages aufgetaucht waren. Aus Sorge (Kopfschmerzen gehören zu den ersten Symptomen der Höhenkrankheit) beschlossen wir morgen probehalber pünktlich aufzustehen, aber falls die Schmerzen nicht weg sein sollten, noch eine Nacht zu bleiben. Genau für solche Fälle hatten wir ja extra zwei Puffertage eingeplant.

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